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Gewerbevereine in der Eifel: Zusammenhalt gegen ein Virus

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Zusammen durch die Dürre

Die Gewerbevereine im Eifelkreis schließen die Reihen und stemmen sich gemeinsam gegen Corona und die Folgen. Gefragt sind Ideen. Und die Bürger setzen sich ebenfalls ein für ihre Betriebe.

Es treibe sie um, sagt Jutta Serwas aus Schwirzheim: Die TV-Leserin (sie engagiert sich auch in der Kircheninitiative „passend anders“, der TV berichtete) will, dass alle dem Eifeler Gewerbe die Stange halten. Denn vielen drohe neben dem totalen Einnahmenausfall infolge all der Schließungen eine weitere, zweite Katastrophe: Dass die Kunden ins Internet abwandern und dort einkaufen, was sie jetzt daheim nicht mehr kriegen.“ Jetzt aber sei Solidarität gefragt mit den Betrieben, die sonst doppelt verlieren könnten in der Krise – und auf ihren Waren sitzenblieben, „wenn dann endlich wieder geöffnet ist.“

Damit genau das nicht passiert, tun sich auch die Gewerbevereine im Eifelkreis zusammen – seit voriger Woche telefoniert deswegen Daniele Haas, die Vorsitzende des Prümer Vereins, mit all ihren Kollegen. Und die ziehen mit: „Ich find das toll, dass jetzt alle zehn Gewerbevereine zusammenstehen“, sagt sie.

Jutta Serwas ist nicht die Einzige, die sich für die lokalen Betriebe einsetzt: Viele Bürger bekunden bereits ihre Solidarität, auf vielen Kanälen. Und am Telefon: „Wir hatten einen Anruf von einem tollen Kunden“, sagt Lars Messerich, der Vorsitzende des Bitburger Gewerbes. „Er will die Unternehmen ebenfalls unterstützen.“ So sei er zum Beispiel bereit, unter anderem Gutscheine zu kaufen. In Prüm hat der Gewerbeverein ein ähnliches Mittel: Den Prümtaler, die lokale Währung, die man ebenfalls als Gutschein verwenden kann. „Den kann man jetzt auch online kaufen“, sagt Daniele Haas. Und man könne ihn elektronisch an jemanden versenden, dem man etwas schenken wolle. „Also eine Freude machen, ohne das Haus zu verlassen“ – gerade jetzt, wo niemand mehr zu Geburtstagen und anderen Feiern gehen könne.

Ja, man arbeite gemeinsam daran, etwas auf die Beine zu stellen, sagt auch Lars Messerich. Den Zusammenschluss und den Appell an die Kundschaft wird man auch nach außen kommunizieren, etwa durch Anzeigen in diversen Medien (wie auch dem TV, der aufgrund der Ausnahmesituation seinen Anzeigenkunden derzeit Rabatte von bis zu 70 Prozent gewährt).

„Solche Dinge sind erforderlich, definitiv“, sagt dazu Herbert Zahnen, Chef des Gewerbevereins Arzfeld und Umgebung. Es werde aber nicht genügen, nur einmal irgendwo eine Anzeige zu schalten: „Meiner Meinung nach nützt das alleine nichts. Da müssen wir dranbleiben.“

Udo Heck, der Vorsitzende des Gewerbe- und Tourismusvereins in Irrel, freut sich ebenfalls über den Schulterschluss: „Das ist endlich mal ein Fortschritt“, sagt er und ergänzt: „Das hätte auch schon vor Corona mal passieren müssen.“ Dennoch dürfe niemand vergessen: „Das wird ein hartes Jahr.“ Und er befürchtet, dass es nicht alle Betriebe überstehen können werden.

Man stehe erst am Beginn der Krise, sagt Lars Messerich: „Das wird man über Monate und wahrscheinlich Jahre aufarbeiten müssen.“ Und doch sagt er auch: „In jeder Krise steckt auch eine Chance. Man sieht jetzt, wie die Leute zusammenhalten.“

Das Bitburger Gewerbe entwickelt derzeit etwa eine gemeinsame Internetplattform, auf der alle Unternehmen sich, ihr Angebot und ihre Erreichbarkeit zeigen können. Und am späten Donnerstagnachmittag meldet der Prümer Gewerbeverein: Auf der Internetseite der Verbandsgemeinde Prüm sollen jetzt ebenfalls gebündelt alle Unternehmen gelistet werden, „die in irgendeiner Weise ihre Kunden weiterhin beliefern oder einen Abholservice anbieten können“.

Kurz: „Da passiert jetzt Einiges“, sagt Lars Messerich. „Im Grunde wollen wir Mut machen. In der Krise und für die Zeit danach.“

Zusammenhalten: Das tun sie vielleicht auch, wenn das alles einmal überstanden ist. Daniele Haas kann sich vorstellen, dass die Gewerbevereine in Zukunft „zwei oder drei Mal im Jahr was gemeinsam machen“.

Das wäre ja fast schon zu schön. Und liegt vorerst noch fern. Aber wer weiß schon, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Alles scheint möglich.