Gewerkschaft kritisiert verkaufsoffene Sonntage im Eifelkreis

Einzelhandel : Gewerkschaft kritisiert verkaufsoffene Sonntage im Eifelkreis

Im Eifelkreis gibt es 20 verkaufsoffene Sonntage im Jahr. Das sind mehr als irgendwo sonst in der Region. Der Deutsche Gewerkschaftsbund würde gerne einige der Veranstaltungen streichen. Die Gemeinden argumentieren dagegen: Die Aktionen hielten die Orte lebendig.

Der Frühling ist da. Zumindest in Prüm hat sich der Lenz am Wochenende blicken lassen. Das gute Wetter kam den Tausenden Besuchern des verkaufsoffenen Sonntags recht, den Gewerbetreibenden sowieso. Pünktlich mit den ersten milden Tagen startet der Eifeler Einzelhandel in die Saison der verkaufsoffenen Sonntage. Viele nehmen sich dabei auch „das Frühlingserwachen“ zum Anlass – so auch die Prümer.

Es sind solche Veranstaltungen, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ein Dorn im Auge sind. „Ein Frühlingsmarkt ist für uns kein ausreichender Sachgrund für einen verkaufsoffenen Sonntag“, erklärt Regionalgeschäftsführer James Marsh. Ginge es nach seinem Verband sollte die Sonntagsarbeit gestrichen werden, wenn sie nicht vernünftig begründet ist. Denn sie belaste die Angestellten unnötig. Marshs Botschaft: „Der Sonntag gehört der Familie und der Erholung.“

Und er ist nicht der einzige, der das so sieht. Seit Jahren kämpfen Kirchen und Gewerkschaften deutschlandweit für den „Freien Sonntag“. Mancherorts zogen die Organisationen sogar vor Gericht. In der Region möchte der Trierer DGB-Chef erstmal nur „Politik und Gesellschaft sensibilisieren.“

Vor allem im Eifelkreis Bitburg-Prüm gebe es zu viele verkaufsoffene Sonntage, sagt der DGB-Chef und stützt sich dabei auf Zahlen aus dem Jahr 2017. Demnach haben acht Gemeinden im Kreis zu insgesamt 20 solcher Veranstaltungstage eingeladen. Häufiger kam das nirgendwo in der Region Trier vor.

Hinzu kommt laut dem Gewerkschaftler, dass nicht alle Kommunen die Rechtslage beachteten. Das rheinland-pfälzische Ladenöffnungsgesetz kennt explizite Regeln für Gemeinden, die die „Arbeitsruhe des Verkaufspersonals gewährleisten“ sollen. Demnach dürfen Verbandsgemeinden und verbandsfreie Städte nur an vier Sonntagen im Jahr Geschäftstreiben zulassen. Die Daten müssen sie vorher festlegen. Und sie brauchen einen „Sachgrund“.

Doch bei der Suche nach diesen Gründen seien die Gemeinden und Gewerbetreibenden „sehr kreativ“, sagt Marsh. Häufig werde einfach die Jahreszeit zum Anlass genommen, wenn einem sonst nichts einfalle. Auf die Spitze getrieben haben das in diesem Jahr die Speicherer, die schon im März zum Ostermarkt eingeladen hatten.

Häufig handelten die Kommunen bei der Auswahl der Termine aber auf Druck großer Betriebe, die am Wochenende mehr Umsatz machen wollen: „Sie müssen nur schauen, wo ein Möbelgeschäft ist. Dann wissen Sie, wo es verkaufsoffene Sonntage gibt.“

Wir machen die Probe. Die Orte Waxweiler, Neuerburg, Daleiden und Bleialf laden jeweils an einem Wochenende zum Shopping ein. Die größeren Städte Bitburg, Speicher und Prüm zu vier Gelegenheiten. Beim Blick in die Statistik fällt aber eine weitere Gemeinde auf: Geichlingen in der Südeifel.

Obwohl das Dorf an der luxemburgischen Grenze nur  420 Einwohner zählt, sind hier jährlich vier verkaufsoffene Sonntage geboten. Das ist außergewöhnlich. Und tatsächlich gibt es in dem Ort einen großen Möbelmarkt. Online wirbt das Unternehmen mit Sonderkonditionen am nächsten verkaufsoffenen Sonntag, dem 7. April – sowie „gratis Zugaben beim Küchenkauf“.

„Die Unternehmen glauben, dass sie den großen Umsatz machen“, sagt Marsh. Doch Studien belegten etwas anderes. Die Kaufkraft verschiebe sich nur. Bürger würden an den Tagen im Schnitt gar nicht mehr ausgeben als an anderen. Das Argument, den Einzelhandel stärken zu wollen, werde damit hinfällig.

Der Bitburger Stadtsprecher Werner Krämer ist anderer Meinung: „Die Bitburger Händler vermelden meist erfreuliche Umsätze. Diese Veranstaltungen dienen außerdem der Förderung des hiesigen Einzelhandels, dem Image Bitburgs als freundliche Einkaufsstadt und schaffen eine besondere Atmosphäre.“

Ähnlich argumentiert der Speicherer Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg: Es gebe messbare Effekte der verkaufsoffenen Sonntage, „und zwar in der Form, dass diese Tage immer wieder Menschen nach Speicher bringen, die ohne diese Veranstaltungen kaum den Weg hierher gefunden hätten“. Sie würden sensibilisiert, „vor Ort zu kaufen statt im Internet“. Allgemein helfen die Markttage laut Hirschberg, den Ort „lebendig und attraktiv zu halten“. Der Gewerkschaftler Marsh hält dagegen: „Städte leben nicht dadurch, dass dort zulasten der Angestellten sonntags konsumiert wird.“

Stadtsprecher Krämer weist die Kritik zurück: „Es gibt viele Beschäftigte, die sich auf solche Veranstaltungen freuen und dann gerne arbeiten.“ Hirschberg gibt ihm Recht: „Da in unserer Stadt die meisten Geschäfte inhabergeführt sind, stellt sich die Frage nach der Aufgabe eines dieser Sonntage wegen der Schonung der Angestellten nicht.“ Außerdem würden Überstunden entsprechend einer Rechtsverordnung vergolten.

Egal ob in Speicher (oben), Prüm (Mitte) oder Bitburg (unten): Die verkaufsoffenen Sonntage im Eifelkreis sind meist gut besucht. Einigen Gewerkschaftlern sind sie aber ein Dorn im Auge. Foto: Rudolf Höser

Nicht überall würden sich die Unternehmen aber an diese Verordnungen halten, behauptet Marsh. Nachprüfen lässt sich das nur schwer. Dass die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage im Eifelkreis höher ist, als eigentlich erlaubt, ist hingegen ein Fakt: So gibt es in den Verbandsgemeinden Prüm und Südeifel jeweils eine Veranstaltung mehr, als der Gesetzgeber für richtig hält. „Nur schaut da keiner drauf“, meint Marsh.

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