1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Gezerre um neuen Kreisinspekteur der Feuerwehr dauert an

Gezerre um neuen Kreisinspekteur der Feuerwehr dauert an

Zum neuen Kreisfeuerwehrinspekteur haben die Wehrleiter des Eifelkreises den in Düsseldorf arbeitenden Berufsfeuerwehrmann Lutz Kivel gewählt. Damit ist die Besetzung des Spitzenamts aber nicht endgültig geklärt. Denn Kivel wird nur vom Landrat ernannt, wenn sein Dienstherr zusagt, ihn bedingungslos für Einsätze in der Eifel freizustellen.

Was ist nur los in der Führungsriege der 221 Feuerwehren im Eifelkreis? Zwar haben es die acht Wehrleiter am Mittwochabend im zweiten Anlauf geschafft, einen Kandidaten für das Spitzenamt des Kreisfeuerwehrinspekteurs (KFI) zu wählen. Doch mit dieser Wahl ist das Problem nur vordergründig gelöst.Lutz Kivel ist Berufsfeuerwehrmann. Und genau daran ist seine Wahl im August gescheitert. Denn Streit wollte wegen der fehlenden zeitlichen Verfügbarkeit keinen Berufsfeuerwehrmann und war reichlich überrascht, als eine Gruppe von fünf Wehrleitern sich aber genau auf einen solchen im Vorfeld der Wahl verständigt hatte, während der pensionierte Berufssoldat Willi Schlöder das Nachsehen hatte (der TV berichtete). Die Wahl verstrich ohne Ergebnis, da Kivel als Berufsfeuerwehrmann nicht den vorab gestellten Kriterien des Landrats entsprach.

Neue Bedingung des Landrats:
Nun, im zweiten Anlauf räumte Streit ein, einen Berufsfeuerwehrmann unter der Bedingung als KFI zu akzeptieren, wenn dieser eine Erklärung seines Arbeitgebers vorlegt, dass er für etwaige Einsätze in der Eifel bedingungslos freigestellt wird. Katastrophen, bei denen der KFI die Einsatzleitung hätte, könnte beispielsweise ein großflächiger Stromausfall sein, bei dem auch Altenheime und Krankenhäuser betroffen sind, oder ein Störfall im Atomkraftwerk Cattenom. "Solche Katastrophen sind glücklicherweise selten, aber wenn sie eintreten, kommen sie überraschend und dann ist die Lage ernst. Ich bin für den Schutz von 100 000 Menschen im Eifelkreis verantwortlich. Da kann ich es mir nicht leisten, wenn in einer solchen Situation der Kreisfeuerwehrinspekteur beruflich in Nordrhein-Westfalen gebunden ist", sagt Streit.

Eine sinnlose Wahl: Da die Freistellungserklärung noch nicht vorliegt, hatte Landrat Streit in der Sitzung vorgeschlagen, auf die Wahl zu verzichten, da diese keinen Sinn habe. Er werde einen Berufsfeuerwehrmann erst dann zum KFI ernennen, wenn die geforderte Erklärung vorliegt. Bisherige Verhandlungen der Kreisverwaltung mit der Dienststelle der Berufsfeuerwehrmänner in Düsseldorf habe aber ergeben, dass diese die Erklärung kaum unterzeichnen werden. So wird darin beispielsweise gefordert, dass der KFI "selbst bei Vorliegen dringender hauptamtlicher Pflichten freizustellen ist". Trotz der Unwahrscheinlichkeit, dass die Erklärung unterzeichnet wird, wollte die Mehrheit der Wehrleiter wählen.

Ein Kandidat zieht zurück: Neben Lutz Kivel aus Gondorf, der in der Sitzung von Richard Wirtz, Wehrleiter aus Irrel, stellvertretender KFI sowie ebenfalls Berufsfeuerwehrmann, vorgeschlagen wurde, hatte sich auch Thomas Barzen aus Masholder, ebenfalls Berufsfeuerwehrmann in Düsseldorf, beworben. Zudem wollte auch Thomas Birnfeld, feuertechnischer Bediensteter der Kreisverwaltung, der seit Oktober das KFI-Amt kommissarisch innehat, antreten. Doch am Mittwoch stand Birnfeld nicht mehr zur Wahl. "Ich habe meine Kandidatur zurückgezogen", sagt Birnfeld.

Ein Klatsche, die nachwirkt: Über die Gründe für Birnfelds Verzicht lässt sich nur spekulieren. Er selber möchte sich dazu nicht äußern. Hinter vorgehaltener Hand wird vermutet, dass Birnfeld nach der Klatsche, die Schlöder bei der Wahl im August kassiert hat, nun nicht zum nächsten Bauernopfer im Gerangel um das KFI-Amt gemacht werden wollte. Denn im August wurde deutlich, dass ein Teil der Wehrleiter einen Berufsfeuerwehrmann als KFI bevorzugt.

Denkbar knappes Ergebnis: Zunächst waren alle acht Wehrleiter des Eifelkreises in der nichtöffentlichen Sitzung anwesend. Klaus-Peter Dimmer, Wehrleiter von Bitburg-Land, wurde aber zu einem Einsatz gerufen, so dass zum Zeitpunkt der Wahl nur sieben Wehrleiter mitstimmten. Davon waren zwei für Thomas Barzen, zwei enthielten sich und drei stimmten für Lutz Kivel.

Aussichtslose Lage: Selbst Kivel geht davon aus, dass sein Dienstherr die geforderte Erklärung so nicht unterzeichnen wird. "Ich kann das Anliegen des Landrats zwar verstehen. Aber welcher Arbeitgeber würde einen seiner Leute bedingungslos freistellen? Immerhin ist der KFI ja ein Ehrenamt", sagt Kivel. Auf eine bedingungslose Freistellung will der Landrat aber wiederum unter keinen Umständen verzichten: "Die Sicherheit der Menschen im Eifelkreis ist für mich nicht verhandelbar."

Offenes Ende: Streit hat Kivel nun eine Frist bis zum 30. November gesetzt, die Freistellungserklärung vorzulegen. Übergangsweise übernimmt weiter Thomas Birnfeld kommissarisch das KFI-Amt. Sollte die Freistellungserklärung bis Ende November vorliegen, wird Kivel zum neuen Kreisfeuerwehrinspekteur ernannt. Wenn nicht, wird eine dritte Wahl nötig, um einen neuen KFI für den Eifelkreis zu finden. Von Aufatmen kann also noch keine Rede sein.Meinung

 Lutz Kivel aus Gondorf.TV-Foto: Dagmar Schommer
Lutz Kivel aus Gondorf.TV-Foto: Dagmar Schommer

Tiefe Gräben, wenig Hoffnung
Dass ein Arbeitgeber seine Leute für ein Ehrenamt nicht bedingungslos freistellen kann, ist insbesondere dann nachvollziehbar, wenn es um die Berufsfeuerwehr geht. Dass aber Landrat Joachim Streit genau auf eine solche Verfügbarkeit Wert legt, ist ebenso richtig. Schließlich geht es im Katastrophenfall um Menschenleben. Deshalb war Streits ursprüngliche Bedingung, keinen Berufsfeuerwehrmann in diesem Amt zu akzeptieren, logisch. Aber genau damit stieß er bei einigen Wehrleitern auf Widerstand. Und genau daran wird nun voraussichtlich die Ernennung von Lutz Kivel scheitern. Dann ist die Führungsriege der Feuerwehr wieder am Anfang - nur dass die Gräben wohl noch tiefer sind und die Hoffnung, einen von Verwaltung wie Wehrleitern getragenen Kandidaten zu finden, weiter schwindet. d.schommer@volksfreund.de