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Giftige Gase: Behörde muss umziehen

Giftige Gase: Behörde muss umziehen

Seit dem Umzug auf den Bitburger Flugplatz kämpfen rund 60 Mitarbeiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum mit gesundheitlichen Problemen. Die Verantwortlichen haben gestern die Konsequenz gezogen: Die Behörde wird so schnell wie möglich erneut umziehen.

Bitburg. Der helle PVC-Boden glänzt und auch sonst wirkt im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel alles wie neu. Kein Wunder. Erst eineinhalb Jahre ist es her, dass die 125 Mitarbeiter aus Prüm und aus der Bitburger Innenstadt auf den Flugplatz gezogen sind. Ein Umzug, der 45 000 Euro gekostet hat und dazu gedacht war, jährlich Mietkosten in Höhe von ebenfalls 45 000 Euro einzusparen.

DLR-Leitung zeigt Verständnis


Doch dieser Plan ist gescheitert. Schon in wenigen Wochen werden die Mitarbeiter wieder ihre Kisten packen und erneut umziehen. Zurück an den alten Standort in der Bitburger Brodenheckstraße und in einen leer stehenden Teil des Amtsgerichts. Dies wurde während einer Betriebsversammlung gestern entschieden, zu der auch Vertreter des Umweltministeriums, übergeordneter Landesbehörden sowie die beteiligten Gutachter angereist waren.
Der Grund: Seit dem Einzug klagt rund die Hälfte der Mitarbeiter über gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augenbrennen, Hustenreiz, Übelkeit oder Schwindelgefühl. Zwei Raumluftgutachten hatten ergeben, dass Lösungsmittel, die aus dem Fußbodenkleber entweichen, Ursache des Übels sind. Dennoch war lange Zeit ungewiss, wie groß die Gesundheitsgefahr ist und was dagegen unternommen werden kann. Wesentlich zu der gestern getroffenen Entscheidung dürfte beigetragen haben, dass ein Umweltmediziner die Situation in einer abschließenden Bewertung als besorgniserregend bezeichnet hatte. Denn die Konzentration der zwar noch nicht näher erforschten, aber definitiv giftigen Stoffe sei unglaublich hoch.

"Die Belegschaft ist nicht bereit, hier weiter unter diesen Bedingungen zu arbeiten", sagt Personalratsvorsitzender Michael Ehleringer. Auch, wenn man ansonsten in der neuen Bleibe gut zurechtgekommen sei. DLR-Leiterin Anja Stumpe zeigt Verständnis für diese Haltung. Es sei den Mitarbeitern hoch anzurechnen, dass sie bisher nicht krank gefeiert hätten. Da auch 13 Luftreinigungsgeräte nicht dazu geführt hatten, dass die Beschwerden der Mitarbeiter nachlassen, haben die Verantwortlichen gestern die Konsequenz gezogen: So schnell wie möglich raus.
Allerdings wird auch dieser Umzug keine Dauerlösung sein. Denn der Mietvertrag für das Problem-Gebäude am Flugplatz läuft über 20 Jahre. Daher will die Behörde wieder zurückkehren, sobald die Räume nicht mehr mit Schadstoffen belastet sind. Wer die Schuld an alledem trägt und auch, wer für die Kosten aufkommt, muss noch geklärt werden.
Nach Auskunft des Landesbetriebs, der das Gebäude gemietet hat, ist man derzeit dabei, mit dem privaten Vermieter "Positionen auszutauschen". Ob es auf ein Gerichtsverfahren hinausläuft, sei noch unklar.Meinung

Einzig richtige Entscheidung
Unerforschte giftige Stoffe in unglaublich hohen Konzentrationen - wer die umweltmedizinische Beurteilung zur Lage am DLR gelesen hat, wird dort ganz sicher nicht arbeiten wollen. Schon seit mehr als einem Jahr klagen die Mitarbeiter über gesundheitliche Probleme. Probleme, die nahezu harmlos klingen im Vergleich zu dem, was Stoffe, die den nachgewiesenen ähneln, dem Umweltmediziner zufolge noch alles verursachen könnten: Leber- oder Nierenschäden, neurologische Funktionsstörungen oder Schäden am Immunsystem… Die Mitarbeiter so schnell wie möglich aus dem Gebäude am Flugplatz rauszuholen, ist daher die einzig richtige Entscheidung. Allerdings sollte eines so schnell wie möglich geklärt werden: die Schuldfrage. Es wäre extrem ärgerlich, wenn der Steuerzahler dafür aufkommen müsste, dass giftiger Fußbodenkleber benutzt wurde. k.hammermann@volksfreund.de