Giftköder reichen nicht, um die Bitburger Kanalratten zu bekämpfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Umwelt : Ratten erobern in Bitburg die Kanäle

Kanalratten gibt es, wie in allen Städten, auch in Bitburg. Dagegen kämpfen die Stadtwerke mit Giftködern an. Doch das allein reicht nicht. Auch die Bürger sind gefragt, ihren Beitrag zu leisten.

Auf jeden Einwohner einer Stadt kommt eine Ratte. So schätzt einer Sprecher der Stadt Mainz die Lage in der Landeshauptstadt ein (der TV berichtete). Für Bitburg dürfte das Verhältnis anders aussehen: deutlich mehr Menschen als Ratten. Immerhin. Genau Zahlen gibt es nicht. Zumindest nicht zu den Ratten.

Deren Population schwankt. Und das hängt auch mit dem Verhalten der Bürger zusammen. So sind in Bitburg, wie in allen Städten, ebenfalls die Werke im Einsatz, um der Lage mit den ungeliebten Nagern Herr zu bleiben. Ratten vermehren sich rasant schnell. Wo es eine gibt, kommen angesichts der frühen Geschlechtsreife im Alter von sechs Wochen und der kurzen Tragezeit von drei Wochen, schnell hunderte dazu.

Das will keiner. Und deshalb haben die Stadtwerke Bitburg den Bewohnern in ihrem Kanalnetz schon lange den Kampf angesagt. „Wir bringen vorbeugend an mehreren Stellen Giftköder aus“, sagt Stadtwerke-Chef Bernd Goeblet. Insgesamt seien es rund 1000 Köder in Kernstadt und Stadtteilen. Und diese Köder werden alle drei bis vier Wochen kontrolliert. Das schreibt eine neue EU-Biozid-Verordnung vor. „Giftköder, die nicht angefressen sind, müssen wir entfernen“, sagt Goeblet. Dort, wo Tiere zugebissen haben, wird nachgelegt. So lange, bis sich das Problem erledigt hat.

Die Köder, erklärt Goeblet, würden die Tiere nicht sofort töten: „Das wäre von Nachteil. Denn die Ratten sind sehr intelligent und haben einen starken Sozialverbund. Fällt eine nach dem Biss in den Köder um, rühren die anderen diesen nicht mehr an.“ Das Gift wirkt also schleichend und die Ratte verendet in der Regel an einer ganz anderen Stelle, auch außerhalb des Kanals.

Dass es Ratten in den Kanal zieht, hat Goeblet, der sich längst in die Thematik eingearbeitet hat, schnell erklärt: Das unterirdische System – in Bitburg sind es zusammen rund 170 Kilometer – bietet den Tieren Schutz vor ihren natürlichen Fressfeinden, einen perfekten Rückzugsort – und nicht selten auch einen reich gedeckten Tisch – dank der Essensreste wie Suppen, Salate und ähnlichem, die sorglos die Toilette runtergespült werden. „Das kommt leider immer wieder vor“, sagt Goeblet. Die Werke klären dann dort, wo sie solche Essensreste entdecken, mit Broschüren auf. Kot wiederum würden die intelligenten Tiere nicht anrühren.

Dieses Jahr gab es bislang nur einige Meldungen von Bürgern, die Ratten entdeckt haben. Ratten sind meldepflichtig. Zuständig ist das Ordnungsamt. Derzeit scheint es im Kanal also eher ruhig zu sein. „Es gibt aber auch Zeiten, wo es binnen weniger Tage mehrere Anrufe gibt“, sagt Goeblet. Dann sei klar, dass man es mit einer größeren Population zu tun habe.

Was dem Werke-Chef wichtig ist, ist die Feststellung, dass das Problem nicht aus dem Kanal kommt, sondern der sei für die Tiere lediglich ein Rückzugsort und fungiere als Verbundsystem wie eine „Autobahn“ für die Viecher. Gibt es im Kanal kein Futter, halten sich die Tiere dort auch nicht auf. Geschweige denn, dass sie sich vermehren. „Wo Ratten sind, werden oft gelbe Säcke mit Essensresten draußen gelagert, Komposthaufen auch mit vielen Essensresten bestückt oder Haustiere draußen gefüttert“, sagt Goeblet.

Vor allem offen herumliegender Müll sei geradezu ein „Ratten-Mc-Donald’s“, wie es Goeblet nennt. Und wo es Futter gibt, lassen sich die Tiere nieder. Solche „Müll-Hotspots“ – und damit auch die „Ratten-Hotspots“ – würden immer mal wechseln. „Da lässt sich kein Bereich in der Stadt perse als problematisch einstufen“, sagt Goeblet. Die einzige Regelmäßigkeit sei, dass dort, wo Ratten gesichtet werden, immer auch nicht sachgerecht entsorgte Essensreste zu finden sind.

Immer auf der Suche nach Futter: die Wanderratte. Foto: dpa/Arno Burgi

Versiegt das Nahrungsangebot, wandern die Tiere weiter. Und genau an dieser Stelle, kann auch jeder Bürger einen Beitrag leisten (siehe Info). Ganz vertreiben lassen sich die anpassungsfähigen Tiere nirgendwo. „Aber es sollte allen ein Anliegen sein, die Population möglichst niedrig zu halten“, sagt Goeblet. Schließlich können Ratten auch Krankheiten übertragen.

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