Glaube im alltag

"Was ist für Dich das Wichtigste an Deinem Glauben?", wurde ich mal gefragt. Nach einem Moment des Nachdenkens sagte ich: "Dazu gehört ganz sicher die Überzeugung von einem ganz und gar persönlichen Gott - keine Idee/Ideologie, kein "höheres Etwas", kein Kampfbegriff, kein alter Mann oder Hut.

Nein, ein Gott mit menschlich erreichbaren Gedanken und Gefühlen: Der permanent ein persönliches Ja zu mir sagt, so wie ich bin (und zu allen anderen auch); der mich besser kennt als ich selbst; für den ich unter den 7 Milliarden keine Nummer bin, sondern ein Geschöpf, an dem er wahnsinnig interessiert ist. Sonst wäre ihm das mit Jesus Christus nicht eingefallen! Daneben natürlich der ganz andere, der immer größere, nicht einfach begreifbare Gott. "OK", meinte mein Gegenüber, "und wie bist DU dazu gekommen?" "Indem ich das, was von Gott erzählt wird - zum Beispiel in der Bibel, in der Kirche - immer neu auch auf mich bezogen und weitergedacht habe! Dann bin ich gemeint - nicht nur die Kirche oder die Menschheit insgesamt oder der oder die. Dann bin ich geliebt und angesprochen." "Und was bedeutet das konkret für Dich?" "Die Beziehung zu Gott wurde zum Schrittmacher für meine Entwicklung als Mensch. Liebe lockt das Beste aus einem heraus. Das hab ich schon als Kind gemerkt: Bei den Lehrern, die mich mochten, wurde ich besser und konnte wachsen. Wenn ich mich an- und aufgenommen und bestätigt weiß, dann arbeite ich ernst an mir - aber ohne Erfolgsdruck." "Diese Übung, dieser tägliche Umgang mit Gott, wer soll das denn heute noch leisten?" "Leisten brauchst du gar nichts, nur an IHM dranbleiben, an dir, an den Menschen und Geschöpfen, auch mal irren, Fehler machen, umkehren. Einfach IHN ins Spiel bringen. Alles Weitere findet sich". Michael Schlüter, Pastoralreferent Dekanat Vulkaneifel