Glaube im Alltag

Sonntags fahre ich am Nachmittag öfter in die nahe gelegene Abtei Himmerod. Dort kann ich zusammen mit den Mönchen um 17 Uhr im Chorgestühl die lateinische Vesper singen.

 Klaus Bender.Foto: privat

Klaus Bender.Foto: privat

Morgen - am ersten Fastensonntag - wird im Kloster eine besondere Tradition gepflegt. Jeder Mönch erhält vom Abt ein Buch - meist das Werk eines geistlichen Autors. Dieses Buch soll er bis zur Karwoche ganz lesen. Ein sympathischer Brauch. In den Regalen meines Arbeitszimmers stehen mehrere Bücher, die ich mir sogar selbst gekauft habe, weil ich mir von der Lektüre etwas verspreche. Nur zum Lesen bin ich noch nicht gekommen. Man hat halt keine Zeit... Vielleicht ist gerade das der Anspruch der kommenden Wochen: Ich setze andere Prioritäten. Ich nehme mir Zeit für einen lange aufgeschobenen Besuch oder für ein gutes Gespräch. Ich nehme mir Zeit, ein Buch zu lesen oder sogar wieder einmal zu beten. Wenn ich das ernstnehme, brauche ich den Mut zu klaren Entscheidungen und zu einem gewissen Maß an Disziplin. Dieses Training am eigenen Lebensstil kann ein bisschen Mühe machen, es ist aber eine gute Investition. Es geht ja nicht darum, einfach auf irgendetwas zu verzichten; ein Verzicht um seiner selbst willen hat überhaupt keinen Wert. Ich will beim verzichten etwas gewinnen, ich möchte die Kreise meines Lebens ein wenig weiter ziehen und mir neue Spielräume erschließen. "Nutzt Eure Zeit, denn diese Tage sind böse!" Der Apostel Paulus hat diese Worte im ersten Jahrhundert an seine Gemeinde in Ephesus geschrieben. Eigentlich haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren. Ich habe mir persönlich auch meine Gedanken gemacht, ein paar Übungsfelder abgesteckt und ich gehe durchaus mit etwas Neugier und Vorfreude in die kommenden Wochen hinein. Mein "Fastenbuch" liegt auch schon bereit. Dechant Klaus Bender, Kyllburg

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