GLAUBE IM ALLTAG

Kennen Sie das auch? Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel gelassen? Hektisch fange ich an, durch die Wohnung zu flitzen. Eigentlich müsste ich schon weg sein.

Also, zum dritten Mal am Schlüsselbrett vorbei, nochmals einen Blick auf den Wohnzimmertisch, kurzer Abstecher ins Schlafzimmer, alles hochheben, was auf der Kommode liegt. Blutdruck und Adrenalinspiegel steigen unaufhörlich. Unbeschreibliche Erleichterung macht sich breit, wenn das gesuchte Objekt plötzlich gefunden wird. Steigern lassen sich diese Empfindungen noch, wenn, zum Beispiel im Gedränge eines großen Kaufhauses, plötzlich ein Kind verloren geht. Erst schaut man sich um, geht zunächst langsam, dann mit immer schnelleren Schritten und ruft den Namen des Kindes. Die Eltern hören nicht auf zu suchen, bis sie ihr Kind entdeckt haben. Schließlich nehmen sie es voller Erleichterung und Dankbarkeit in die Arme. Und wenn ein Mensch verloren geht und niemand nach ihm sucht? Ist es Ihnen auch schon einmal so ergangen? Niemand fragt nach Ihnen, niemand hakt nach, warum Sie Ihre gewohnten Aktivitäten einstellen, alle anderen scheinen teilnahmslos ihre eigenen Wege zu gehen. Von niemandem vermisst zu werden, tut weh. Alle Energie ist wie weggeblasen. Und dann? Dann, finde ich, tut es gut, das Evangelium des heutigen Sonntages aufmerksam zu lesen (Lukas 15,1-32). Denn Gott sucht anders als wir. Unsere Maßstäbe sind nicht seine. Die Gegenüberstellung von Aufwand und Nutzen hat für ihn keine Bedeutung. Gott sucht uns Menschen, nicht wir ihn. Er scheut keine Mühen, keine Strapazen, er ruht nicht, bis er die Verlorenen gefunden hat. Auch die schwarzen Schafe. Seine Barmherzigkeit ermöglicht uns einen neuen Anfang. Die Gewissheit, dass wir ihm so wichtig sind, macht Mut. Vielleicht auch für die ein oder andere Entdeckungsreise abseits der ausgetretenen Wege. Hildegard Cremer, Pfarreienrat Schönecken-Waxweiler

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