glaube im alltag

War es nur eine Frage der Zeit? Irgendwie hatten wir es schon befürchtet. Jetzt ist es passiert: der Terror des IS ist in der Kirche angekommen.

Vergangenen Dienstag hat uns die Nachricht von der Ermordung eines Priesters in der französischen Stadt Rouen erreicht. Was für eine schreckliche Nachricht! Bisher bedrohte der Terror des IS die europäische Staatengemeinschaft und ihre Bürger - jetzt richtet er sich auch gegen die christliche Religion. Wie sollen wir darauf reagieren? Mit Wut? Mit Gegenwehr? Ich denke nicht! Die Zeiten der Kreuzzüge sind für uns heute vorbei. Fairerweise muss man sagen: Auch als Kirche haben wir solche Phasen der Gewalt in unserer eigenen Geschichte gekannt. Doch wir haben sie - Gott sei Dank - überwunden. Es war ein langer Prozess, aber wir kommen dem Ziel näher und näher. Gewalt und Terror im Namen der christlichen Religion verbieten sich heute für uns. Dafür sind die Worte Jesu zu klar und eindeutig. Aus seinem Mund stammen Sätze wie: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst" (Matthäus 19,19), oder "Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen" (Matthäus 5,44). Diesen Aussagen sind wir verpflichtet! Jesu Wort gilt uns heute genauso, wie damals! Dass das nicht immer leicht ist, ist keine Frage - insbesondere angesichts des Terrors und der Angst vor der eigenen Haustür. Dennoch kommen wir am Wort Jesu nicht vorbei. Ein Beispiel, was das konkret bedeutet, gibt der Bischof der Diözese, in der der Priester vergangenen Dienstag ermordet wurde: Der Erzbischof der Erzdiözese, Dominque Lebrun, war bereits zum Weltjugendtag nach Krakau gereist, ist aber nach dem Akt des Terrors gleich in seine Heimat zurückgekehrt. "Hier in Krakau lasse ich hunderte junge Menschen zurück, die die wahre Zukunft der Menschheit sind. Ich fordere sie auf, sich von den Gewalttaten nicht entmutigen zu lassen. Sie sollen zu Aposteln der Zivilisation und der Liebe werden." Gemeinsam mit allen Menschen guten Willens rufe er Gott an. "Ich möchte auch alle Nichtglaubenden einladen, sich diesem Ruf anzuschließen", so Lebrun. Und das ist der springende Punkt: Als Christen haben wir keine anderen Waffen zur Verfügung als das Gebet und die Geschwisterlichkeit zwischen den Menschen. Irgendwie passend, dass gerade jetzt in Krakau 1,5 Millionen junge Christen aus aller Welt zusammen mit Papst Franziskus genau das zeigen wollen. Pastor Thomas Weber, Bitburg