Glaube im Alltag

"Hallo, hallo, wie schön, dass du da bist.

.." Als unsere Älteste mit ihrem ersten Kindergartenlied nach Hause kam, sang sie: "Hallo, hallo, wie schön, dass du da bist, wir freuen uns so sehr ...", und an dieses Lied reihte sie Bewegungen mit Händen und Füßen, die Kinder und Erwachsene miteinander in Kontakt bringen und Gemeinschaft stiften. Dieses Lied fiel mir ein, als ich vor einigen Wochen in der Zeitung las: "Willkommen heißen statt ablehnen und Angst haben." Sofort dachte ich an Kinder, Frauen und Männer aus "aller Herren Länder", die als Flüchtlinge, Asyl- oder Arbeitssuchende in unser Dorf gekommen waren und mit denen einige heimische Eine-Welt-Arbeiter in engen Kontakt gekommen sind, weil eine alleinerziehende Mutter plötzlich erkrankte und die Kinder vorübergehend in zwei Familien Platz fanden; eine schwangere Mutter kurz vor der Entbindung abgeschoben werden sollte... Für die Eine-Welt-Truppe vor Ort hatten diese Begegnungen zunächst wenig von "Hallo, hallo, wie schön, dass du da bist". Im Raum standen eher die Fragen: Wie kann ich den "Notleidenden und Hilfesuchenden" helfen? Wer kann Abhilfe schaffen oder zumindest die Erfahrung vermitteln "Du bist nicht allein"? Wenn ich meinen ersten Kontakt zu Menschen aus fremden Ländern zeitlich verankere, muss ich in meiner Kindheit beginnen, denn zu meiner Nachbarin, die kriegsbedingt aus Osteuropa bis in die Eifel geflüchtet war, hatte ich einen ganz besonders engen Kontakt. Sie bewohnte mit ihrer Familie nur eine Wohnung in der oberen Etage eines großen Bauernhauses, die so beengt war, dass fast das ganze Familienleben in der Wohnküche stattfinden musste. Mit den Früchten aus dem abgegrenzten Gartenbereich versorgte sie die ganze Familie und mit dem Abfall aus Garten und Küche noch die Kaninchen, die mich als Kind magisch anzogen und die in einer Ecke des bäuerlichen Anwesens ihren Lebensraum gefunden hatten. Im Rückblick würde ich sagen: Sie lebten wie ihre Besitzer dort, wo gerade noch ein Plätzchen frei war, dort, wo Menschen zusammenrückten,um Platz zu schaffen, damit niemand auf der Straße leben muss. Jeder soll wenigstens ein Dach über dem Kopf haben und sich so weit verwurzeln können, dass die Kinder ohne Angst die Schule besuchen und zumindest ein Elternteil zur Arbeit gehen kann. Petra Schweisthal, Pastoralreferentin im Dekanat St. Willibrord Westeifel