GLAUBE IM ALLTAG
Vor über 2000 Jahren: Menschenmassen waren unterwegs in ihre angestammte Heimat, damit die Steuerlisten der Römer aktualisiert werden konnten. Mit Josef erreichte die hochschwangere Maria Bethlehem.
Die Wehen setzten ein. Doch alle Quartiere waren überbelegt. Es blieb nur die Notunterkunft in einer nach Schaf und Ziege stinkenden Höhle. Nach der Geburt des Kindes hatten nur Hirten, "Abschaum" der damaligen Gesellschaft, ein umwerfendes Erlebnis: Sie sahen den Himmel offen und hörten den Lobgesang der Engel: "Friede auf Erden! Christ, der Retter ist da!". In Bethlehem hatte man das weder gehört noch gesehen. 1945: Flüchtlinge und Vertriebene zogen von Ost nach West, von Nord nach Süd und umgekehrt, zurück in ihre Heimat oder in eine ungewisse Zukunft als unwillkommene und verhasste Fremde im eigenen Volk. Wir waren seit Freitag vor dem zweiten Advent von Thüringen aus unterwegs nach Hause. Am Sonntag ging es bei starkem Frost zu Fuß zum Lager Friedland in der britischen Zone. Eine Irrfahrt brachte uns nach insgesamt vier Tagen endlich in die Trümmerwüste von Koblenz. Dort standen wir vor dem Nichts. Den heiligen Abend 1945 feierten wir nach der Christvesper im Krankenhaus an den Betten meiner Mutter und meiner wesentlich älteren Schwester. Unsere Gedanken waren bei meinem mit 18 Jahren in Frankreich "vermissten" Bruder. Da ging uns die alte Geschichte vom Kind in der Krippe "unter die Haut"! Und trotz allem hieß es: "Christ, der Retter ist da!" Mein Vater und ich gingen dann "heim", dankbar für ein ungeheiztes Zimmer und fast nichts zu essen! Es war nach den langen Kriegsjahren das erste Weihnachtsfest im Frieden. Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest mit guten Folgen! Hans-Martin Stüber, Pfarrer im Ruhestand, Gerolstein; E-Mail: hmstueber@t-online.de