Glaube im alltag

"Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein!" Kennen Sie das Kindergebet auch noch? Meine Mutter hat das abends am Bett mit meinen Geschwistern und mir gebetet.

Und das war für mich immer ein ganz besonderer Moment. Heute würde ich sagen: Er war mir heilig! Beten Sie heute noch zum Mittagessen oder abends vorm Einschlafen? Oder haben Sie es verlernt? Im Religionsunterricht kommt meist irgendwann die Frage: "Kann Gott denn die Gebete von allen Menschen überhaupt hören? Und will er die dann auch noch beantworten?" Die Frage ist berechtigt: Wie oft habe ich zum Beispiel als Kind ganz bescheiden nur für eine Drei in Mathe gebetet - daraus geworden ist meistens nichts. Wie oft beten Menschen dafür, dass ein Mensch, den Sie lieben wieder gesund werden soll -, und er wird es doch nicht. Also wie ist das mit den Gebeten? Albert Schweizer sagt: "Gebete ändern nicht die Welt. Aber die Gebete ändern Menschen und Menschen ändern die Welt." Vielleicht ist es genau das: Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mir nah ist und einen Weg für mich weiß, dann kann ich Dinge angehen, die ich sonst vielleicht nicht schaffen würde. Beim Beten kommt es auch nicht auf die geschliffenen Worte an. Es kommt darauf an, so zu beten, wie mein Herz und Verstand es mir sagt! Und wenn ich den Anfang mit einem alten Kindergebet mache. Ob mein Gebet den Menschen, den ich liebe, und der krank ist, wieder gesund machen kann? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht bekomme ich die Kraft, den schweren Weg mit ihm zu gehen, der vor ihm liegt. Oder die Dinge zu sagen, die noch gesagt werden müssen. Und das ändert bestimmt unsere kleine ganz eigene Welt und macht sie ein Stück heiler! Hilde Telkes, Gemeindereferentin, Pfarreiengemeinschaft Neuerburg