Glaube im Alltag

Nun ist es beschlossene Sache: Ich werde angeschrieben, ob ich bereit bin, Organe meines Körpers nach dem Hirntod herzugeben. Mir wird eingeräumt, die Antwort zu verweigern.

Doch ich werde regelmäßig angefragt. Eine Zumutung? Für mich nicht. Ich bin froh, in einer wichtigen Angelegenheit, überdies auf Leben und Tod, ernst genommen zu werden. Oft erlebe ich, dass Menschen und Institutionen über mich hinweggehen. Ohne Unterlass werden beispielsweise Daten über mich als Verbraucher, als Stammkunde oder Neukunde, gesammelt und ohne mein Wissen weitergereicht. Ich werde nicht gefragt, ob ich das will. Das geht mir an die Nieren. Die Antwort darauf, was mit meinem Leib oder Teilen davon geschehen soll, ist meine persönliche Entscheidung. Niemand kann sie mir abnehmen. Auch lasse ich sie mir von niemandem abnehmen. Es geht hier nicht um Mehrheitsmeinungen oder Umfrageergebnisse. Die Ansichten von Verwandten, Freunden, Nachbarn, Kollegen mögen zum weiteren Nachdenken anregen, erzwingen können sie jedoch nichts. Ja, wir können und sollen über das Thema Organspende ins Gespräch kommen, nicht nur einmal. Doch am Ende zählt nur: Kann ich mit gutem Gewissen Ja sagen, mir Organe entnehmen zu lassen und sie anderen zur Verfügung zu stellen, oder muss ich aus bestimmten Gründen Nein sagen? Und für den, der an Gott glaubt, gilt noch das andere: Bekräftigt oder beeinträchtigt mein Ja oder Nein meine Beziehung zu Gott? Das neue Organspende-Gesetz gibt mir Gelegenheit, über mich als Mensch nachzudenken: zu jeder Zeit sterblich, zu jeder Zeit verantwortlich für mich und den Mitmenschen, zu jeder Zeit da vor dem Schöpfer und Bewahrer des Lebens. Pfarrer Thilo Müller aus Hillesheim, Evangelische Kirchengemeinde Gerolstein-Jünkerath