Glaube im Alltag

Noch in diesem Jahr sollen die Bürger von ihren Krankenkassen Post erhalten und zur Abgabe einer Erklärung zur Organspende aufgefordert werden. Das sieht das neue Gesetz zur Organspende vor, welches bereits im Mai den Bundesrat passiert hat.

Jeder soll erklären, ob er im Fall des Todes zur Organspende bereit ist oder nicht. Das Jahr wird jetzt schnell seinem Ende zugehen und die noch zu erwartende Post uns vielfach überraschen und unvorbereitet ereilen. Wissen Sie schon, wie Sie sich entscheiden werden oder ist die Entscheidung bereits gefallen? Für viele wird das Thema heikel sein. Für mich auch. Im Gegensatz zu meinem Mann, der ganz klar sagt, alles was brauchbar ist, kann gespendet werden, zögere ich. Mir wäre es am liebsten, wenn ich nie gefragt würde, denn dann brauchte ich auch keine Entscheidung zu treffen. Eigentlich will ich Nein sagen. Aber damit tue ich mir auch schwer. Ich finde ein Nein ungerecht gegenüber den vielen Menschen, die dringend auf ein Organ warten. Deren Leid und deren Hoffnung ist mir nicht egal. Aus christlicher Sicht kann Organspende ein Akt der Nächstenliebe sein, der Leben rettet. Aber ich habe auch andere Gedanken. Ich sehe mich als einen sterblichen, ganzheitlichen und von Gott gewollten Menschen und möchte nicht zerlegt werden. Zudem habe ich Angst vor dem Handlungsspielraum an der Grenze vom Leben zum Tod, dort, wo noch alle Organe funktionsfähig sind, aber der Hirntod bescheinigt wird. Und ich bin - zumindest innerlich - ein Gegner davon, dass auf dem Weg zum Fortschritt und Machbaren immer weitere Grenzen überschritten werden. Will ich einerseits wirklich alles in Anspruch nehmen, was medizinisch machbar ist und andererseits ein Ersatzteillager sein? Ich hoffe, dass die Entscheidung zur Organspende eine individuelle und höchst freiwillige bleibt. Egal wie sie ausfällt. Monika Dondelinger, Diplom-Sozialarbeiterin beim Caritasverband Westeifel in Bitburg