Glaube im Alltag
Als Kinder sagten wir oft: "Rache ist süß!" Unterlagen wir im Streit, drohten wir: "Du hast sie noch bei mir im Salz liegen!" Also: Nichts ist vergeben und vergessen! Du hast noch etwas zu erwarten! Der Wunsch nach Rache steckt leider tief in uns Menschen, gerade wenn uns Unrecht widerfahren ist. Am Ende steht aber eine Spirale von Gewalt und Hass, die sich im privaten wie auch im öffentlichen Leben zerstörerisch endlos weiterdreht! Im Alten Testament wird der altorientalische Grundsatz zitiert, der Rache in vernünftigen Grenzen halten soll: "Auge um Auge, Zahn um Zahn!" und mehr nicht!! Im Deuteronomium (5. Buch Mose) 32,35 wird dies korrigiert: "Mein ist die Strafe und die Vergeltung, spricht der Herr!" Jesus verschärft das noch: "Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!" (Matth.
5,39) Uns (auch mir) fällt das oft unsagbar schwer! Aber eine "gelungene" Rache führt nur in eine endlose Spirale von Unrecht und Gewalt. Besser ist es, auf den "Gegner" zuzugehen und ihm einen Ausweg aus dem Streit anzubieten. Dies gilt auch in der Politik. Auch hier entsteht aus tödlichem Hass der Schrei nach Rache. Am Ende vernichten sich alle gegenseitig, es sei denn, sie finden endlich einen Weg zum Frieden, wie etwa Frankreich und Deutschland nach 1945. Eins ist doch sonnenklar: Rache ist nie süß, sondern hat endlos bittere Folgen! Sie schadet nur. Und am Ende bleiben alle Beteiligten auf der Strecke! Denn die Spirale von Hass, Gewalt und Rache findet kein Ende, auch zwischen Völkern. Hans-Martin Stüber, Pfarrer im Ruhestand