Glaube im Alltag

Meinung Was uns zum Besten dient "Herr Bischof, beten Sie um Regen!" - So lautete die eindringliche Bitte eines Landwirts am Ende einer Begegnung von Mitgliedern der Katholischen Landvolkbewegung mit unserem Trie rer Oberhirten. Die anhaltende Trockenheit macht derzeit in der Tat nicht nur den Bauern Sorgen.

Andererseits hätten sicherlich viele Menschen in unserer Region Probleme damit, wenn die bischöfliche Fürbitte nun zu einem 24-stündigen Landregen während des Rheinland-Pfalz-Tages in Prüm führen würde. Auf jeden Fall wird in der kommenden Woche bei unseren Bittprozessionen das Gebet um "gedeihliche Witterung" bewusster gesprochen werden als sonst. Diese Prozessionen haben unterschiedliche Wurzeln. Die Markusprozession am 25. April ist heidnischen Ursprungs. In Gallien wurden im 5. Jahrhundert die Gläubigen nach Erdbeben oder sonstigen Katastrophen zu Prozessionen aufgerufen. Später legte man sie auf die Tage vor Christi Himmelfahrt, wobei wohl der Gedanke tragend war, dem in der Himmelfahrt von uns gehenden Herrn alle Bitten und Anliegen anheimzugeben, dass er sie vor den Vater trage. In der Geschichte unserer Kirche waren diese Prozessionen immer wieder von abergläubischen Vorstellungen geprägt, und nicht selten stand das Bild eines unberechenbaren oder gar strafenden Gottes im Vordergrund, den es durch Frömmigkeitsübungen zu versöhnen oder auch zu manipulieren galt. Machen wir uns bewusst: Die Zumutungen, Schicksalsschläge und auch Katastrophen unserer Zeit sind Zeichen dafür, dass - wie der heilige Paulus sagt - die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tage seufzt und in Geburtswehen liegt. Unsere Welt ist wie jeder Einzelne von uns auch noch erlösungsbedürftig und deswegen oft widersprüchlich und zerbrechlich. Und was uns oftmals bedrängt und niederdrückt, entspringt nicht dem unmittelbaren Willen Gottes. Er lässt es geschehen, wie er auch unsere persönlichen Verfehlungen und Grenzüberschreitungen zunächst einmal zulässt. Aber er weiß um unsere Not und fühlt und leidet mit uns. Wir dürfen uns an den kommenden Bitttagen an einen Gott wenden, dem wir Menschen alles andere als gleichgültig sind. Er weiß, was wir zum Leben brauchen und was uns zum Besten dient. Getragen von solchem Vertrauen dürfen wir ihn um alles bitten, was uns wichtig ist. Und sollte es bis nächste Woche noch nicht geregnet haben, sollten wir - zusammen mit dem Bischof - auch dieses Anliegen noch einmal in unser Gebet mitaufnehmen. Dechant Klaus Bender, Kyllburg