GLAUBE IM ALLTAG

Die Katholiken haben einen neuen Papst. Die Welt hat einen neuen Papst: der Heilige Vater als Symbolfigur für den himmlischen Vater.

Die Wirkkraft eines solchen Sinnbilds des Glaubens ist nicht zu unterschätzen. Im Wappen meiner Heimatstadt Hillesheim finden sich als ein Zeichen der Gläubigkeit ihrer Bewohner die Muttergottes und Christus. Dazu passt ein Wort beim Propheten Jeremia: "Bemüht euch um das Wohl der Stadt [...] und betet für sie zum Herrn, denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl." (Jeremia 29,7) Wer vom politischen Einsatz in der Welt spricht, der soll das Gebet nicht geringschätzen. Und wer meint: "Typisch Christen - Hände falten und nichts tun!", der hat keine Ahnung von der Kraft des gesammelten Gebets und von dem, was es schon alles bewegt hat. Christen sind in diese Welt gestellt als Brückenbauer zu Christus. Ohne Anbetung, Fürbitte und Dank gibt es keine biblische Bejahung der Welt. Da, wo jemand anfängt, für einen anderen zu beten, interessiert er sich für ihn und kann ihn weder hassen noch gleichgültig zur Seite schieben. Wo einer beginnt, die Nöte der Zeit vor Gott auszubreiten, gehen sie ihm durch Herz und Verstand. Da, wo das Gebet verstummt, gerät unser Tun zur Selbstüberschätzung, machen wir die "Rechnung ohne den Wirt". Das, was Gott damals dem Volk durch Jeremia zurief, ist nach wie vor aktuell: "Gottes Bund mit der Menschheit steht immer noch. Betet für das Wohl eurer Stadt, eurer Familie, eures Landes! Macht es nicht zu kompliziert, sondern so, wie euch der Schnabel gewachsen ist." Noch einmal zurück zur Papstwahl. Drei Elemente der ersten kurzen Ansprache von Franziskus sind bei mir haften geblieben: "Lasst uns den Weg der Evangelisierung gemeinsam gehen! Lasst uns für- und miteinander beten und uns gegenseitig segnen! Lasst uns auch ausruhen!" Damit ist schon vieles gesagt. Und: Was und wie der neue Papst gebetet hat, war ebenfalls bezeichnend - in Zuwendung und Schlichtheit das Vater unser, das Ave Maria und das Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist." Michael Schlüter, Pastoralreferent im Dekanat Vulkaneifel

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