Glaube im Alltag

Die Wochen vor Weihnachten sind wieder davon geprägt, sich zu überlegen, was wir uns gegenseitig schenken sollen. Die Werbemaschinerie läuft wieder auf vollen Touren und suggeriert uns, dass ein schönes Fest (fast) ausschließlich von einem schönen Geschenk abhängt.

Klaus-Peter Backes. Foto: privat

Dabei wissen wir alle, dass dies - ich sage Gott sei Dank - eben keineswegs so ist. Über Geschenke kann man sich durchaus freuen, aber wie lange währt eigentlich so eine Freude und wie tief geht sie tatsächlich in unser Inneres ein? Die Halbwertzeit dürfte kurz sein und die Tiefe überschaubar. Sollen wir uns wirklich die Freude von Weihnachten von Geschenken diktieren lassen? Gibt es nicht andere Quellen der Freude als die materiellen? Wobei wir bei der ideellen wären. Weihnachten ist und bleibt ein Familienfest. Und als solches eine Aufgabe über das ganze Jahr hinweg. An Heiligabend soll die Harmonie in der Familie perfekt sein. Aber wie kann sie es auf Knopfdruck eigentlich sein, wenn das ganze Jahr etwas anderes vorherrscht? Da ist also Realismus angesagt. Weniger erwarten heißt hier mehr erleben. Aber gibt es denn keinen Grund einer ungetrübten Freude, die aus der Tiefe kommt? Dem, der das Fest von seinem Ursprung her betrachtet, kommt das Christkind in den Sinn. Gott kommt uns ganz nahe, er wird einer von uns, er zeigt sich uns ganz und gar. Und gibt so unserem Dasein Sinn und Ziel. In einer Welt, die manchmal nicht mehr weiß, wo rechts und links ist, ist das schon sehr viel und ein wahrer Grund zur Freude. Und er kommt ganz friedlich, unscheinbar, ja fast unmerklich in diese Welt. Ist das nicht allein schon wohltuend, wo doch heutzutage wirklich Unwichtiges unentwegt mit größtem Getöse durch das Netz gepostet wird? Die Weihnachtsbotschaft und ihre Wirkung kann man nicht kaufen, man kann sie nur leben und erleben. Das Spektakel, das uns als Weihnachten "verkauft" wird, hat mit dem eigentlichen Fest so viel zu tun wie Wasser mit Wein. Es liegt an einem jeden von uns, was wir trinken wollen und was wir anderen Menschen vorsetzen. Herbeikaufen lässt sich ein friedvolles und glückliches Weihnachtsfest jedenfalls nicht. Gott sei Dank, möchte man sagen. Klaus-Peter Backes CM-Kooperator in der Pfarreiengemeinschaft Bleialf