Glaube im Alltag

Als kirchliche Mitarbeiterin habe ich oft mit der Frage nach Gott zu tun. Ob in der Firmvorbereitung, im Religionsunterricht oder in persönlichen Gesprächen.

Ein Ort, wo ich bisher eher selten an Gott gedacht habe, ist die Küche. Beim Kochen muss ich mich konzentrieren und bin meistens sehr gestresst. Es gibt eine Frau, für die macht Gott selbst nicht in der Küche Halt. Es ist die heilige Teresa von Avila. Teresa lebte im 16. Jahrhundert in Spanien. Sie war Nonne und gründete einen eigenen Orden mit vielen Klöstern. Von ihr stammt der Satz: "Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen". Ich finde diesen Satz super! Sie will wohl damit sagen, dass wir mit Gott eben nicht nur im Religionsunterricht oder in der Kirche rechnen können, sondern auch in der Küche und überall sonst. Teresa spricht so von ihrem Glauben, dass wir es alle verstehen können. Es wäre doch klasse, wenn viel mehr Menschen in so klaren und ausdrucksstarken Worten über Gott und über den Glauben sprechen könnten. Aber nein, dann höre ich Sätze wie: "Gott ist das, worüber hinaus nicht Größeres gedacht werden kann." Ich stelle immer wieder fest, dass sich eine regelrecht eigene Sprache entwickelt hat, wenn es um Gott geht. Das ist ähnlich wie bei Politikern. Viel zu abgehoben. Kein Wunder, dass immer weniger Menschen Lust dazu haben, sich auf diese Sprache einzulassen. Teresa hat es geschafft, von ihrem Innersten verständlich zu erzählen. Sie hat Glauben und Leben nachvollziehbar miteinander verbunden. "Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen". Klare Sache: ob wir kochen, Betten machen, schlafen, beten - Gott ist da. Gott ist sozusagen alltäglich. Und für mich gerade deshalb so besonders. Hilde Telkes, Gemeindereferentin Pfarreiengemeinschaft Neuerburg