Glaube im Alltag
Ich spüre oft den Impuls, etwas Bestimmtes zu tun oder zu sagen. Aber als Kopfmensch bin ich wenig impulsiv, gebe ich in solchen Augenblicken meinem Gefühl kaum nach.
Oft bereue ich das später, ich merke: Da hast du ein gutes Wort zur richtigen Gelegenheit verpasst. Eine guttuende Rückmeldung nicht gegeben. Eine beziehungsfördernde Chance verpasst. Dann ärgere ich mich, nehme mir vor, beim nächsten Mal meinem Bauch, nicht meinem Kopf, den Vortritt zu lassen. Das ist mir kürzlich wieder gelungen. Wenn ich von zuhause ins Büro fahre, dann ist das eine landschaftlich sehr schöne Strecke durch die Eifel. Aus einem Tal heraus und dann an der Oberkante dieses Tales entlang weiter. Der Blick ins Tal ist wunderschön, vor allem wenn die Sonne scheint. Kürzlich lag Nebel im Tal, nur eine Kirchturmspitze ragte daraus hervor. Die Sonne beschien dieses nebelgefüllte Tal und brachte ein wunderbares Licht darüber. Sonst bin ich immer durchgefahren, habe aber jedes Mal gedacht: Halt an, schau hin, halte diesen Moment fest. Beim letzten Mal habe ich es tatsächlich gemacht! Ich habe angehalten, bin ausgestiegen und habe mich voller Muße umgeschaut. Habe die Sonne gespürt, die frische Luft auf meiner Haut und die Klarheit des Morgens wahrgenommen. Ich fühlte mich in der Natur, der Schöpfung, geborgen und gut aufgehoben. Ich war ganz da, ganz gegenwärtig. Und ich spürte: Ich bin da! Ich konnte "Ja" zu mir sagen: Ich bin, der ich bin. Und das ist gut so. Nach fünf Minuten bin ich weitergefahren. Dieser kurze Moment aber hat etwas in mir verändert. Ich war froh, meinem Impuls gefolgt zu sein. Habe diese Zeit genossen und mich mehrmals an diesem Tag daran erinnert - und immer wieder Kraft daraus geschöpft. Zwei Gedanken bleiben mir: Der eine an ein Lied: "Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt". Der andere: Dass ich in diesen fünf Minuten ganz bei mir selbst war und etwas davon erlebt habe, wenn Gott sagt: Ich bin, der ich bin; ich bin da. Gott ist mit mir. Der Advent lädt besonders ein, solche Augenblicke des Innehaltens und der Selbstvergewisserung bewusst zu setzen. Was uns dann wohl erwartet? Johannes Eiswirth, Geschäftsführender Dekanatsreferent St. Willibrord Westeifel