GLAUBE IM ALLTAG

Es ist eine alte Gewohnheit von mir: Erst zu Jahresbeginn nehme ich meinen neuen Terminkalender in Gebrauch und übertrage dann auch alle Vormerkungen aus dem alten Kalender. Das ist schon ein besonderes Gefühl: Da liegen 365 makellos weiße Seiten vor mir, und gleich darauf durchzieht sie die erste noch schmale Schmutzspur neuer Termine.

Etwas Nachdenklichkeit ist angebracht. Nicht ohne Grund habe ich mir eine Spruchkarte über meinen Schreibtisch aufgehängt: "Wer kein Nein sagen kann, kann auch ein Ja nicht halten." Bevor mein Terminkalender mich beherrscht und mir meinen Tag vorschreibt, sollte ich daran denken: Ich bin der Herr meiner Termine, es geht um meine Zeit, die ich oft gedankenlos aufteile. Es ist hilfreich, den alten Kalender noch einmal durchzublättern. Manches, was da aufblähend fordernd viel Zeit einnimmt, scheint in der Rückschau durchaus entbehrlich. Und dann denke ich an die Ereignisse und Begegnungen des letzten Jahres, die wirklich wichtig waren. Die wenigsten davon standen vorher im Kalender. So sind wohl auch die entscheidenden und wesentlichen Stunden des neuen Jahres - seien es beglückende oder schmerzliche Erfahrungen - nicht kalkulierbar und berechenbar. Die kommen zu ihrer Zeit und kümmern sich keinen Deut darum, was gerade im Kalender steht. Als Christ weiß ich, dass da nicht der blinde Zufall regiert, sondern dass der Herr selber meinen Kalender für 2017 schon vorgeschrieben hat und zwar so, wie es für mich am besten ist. So sollte ich meine Termine mit Bedacht überlegen und eintragen. Vielleicht auch den lange versprochenen Besuch eines Freundes oder ein paar Tage der Ruhe und Besinnung schon jetzt vormerken. Wichtiger ist, dass ich der sich jetzt schon abzeichnenden Terminflut mit christlicher Gelassenheit entgegensehen darf. Dazu gehört durchaus, auch einmal Nein zu sagen! Vor allem sollte ich darauf vertrauen, dass der Herr mich auch im neuen Jahr meinen Weg führen wird - ungeachtet meiner bescheidenen Vorplanungen. Ich finde mich wieder in den Worten des Mystikers Angelus Silesius: "Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen. Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen. Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in Acht, so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht." Dechant Klaus Bender