GLAUBe

Eine beglückende Chance Wenn vom christlichen Glauben die Rede ist, haben viele Zeitgenossen das Gefühl, es ginge um etwas, was nicht mehr zeitgemäß sei, altmodisch, überholt in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Aber als altmodisch möchte man ja auf keinen Fall gelten. Da Glaube an Gott mit Vertrauen gleich zu setzen ist, scheint Vertrauen auch im zwischenmenschlichen Bereich überholt zu sein. Wir erleben das in den vielen zerbrochenen und zerbrechenden Beziehungen. Denn Freundschaft, gar Liebe, haben ganz massiv mit Vertrauen, mit Glauben an die Freundschaft, an den geliebten Menschen zu tun. Glaube bedeutet, auch da noch weiter zu gehen, wo ich den anderen oder die andere nicht mehr zu verstehen meine. Beziehung ist soweit immer auch Risiko, das ich aus der Erfahrung eingehen kann, bis dahin nicht enttäuscht worden zu sein und deshalb vertrauen kann, auch da wo ich unsicher geworden bin, nicht enttäuscht zu werden, dass der Vertraute hält, was er verspricht. Was gibt es eigentlich größeres an Menschlichkeit als Vertrauen? Nicht umsonst nennen wir das gegenseitige Treueversprechen eines Paares Trauung; sie trauen, vertrauen sich. Damit geben sie sich gegenseitig einen Vorsprung. Bezeichnend für unsere Zeit gibt es immer weniger Trauungen. Ähnlich ist es mit dem Glauben an Gott. Es geht um den Versuch, eine Beziehung zu ihm aufzubauen, ein Vertrauensverhältnis. Das gelingt nicht, wenn ich ihn durchschauen will. Solche Beziehungen gehen schnell zu Bruch zwischen Menschen wie zwischen Menschen und Gott. Wenn ich dem anderen abspreche, ein Geheimnis bleiben zu dürfen, mache ich Menschen zu Gebrauchsgegenständen und Gott zu einem Götzen. Nur wenn einer vertrauend in das Geheimnis der Person Mensch oder Gott einzudringen versucht, sich hineinziehen lässt, eröffnet sich eine beglückende Chance. Dechant Karl Kneißl, Bleialf