GLAUBEN IM ALLTAG

Nun ist es wieder so weit: Wir sind eingehüllt von den weihnachtlichen Düften und Klängen und bestimmt vom sogenannten "Vorweihnachtsstress". Weihnachten mutet manchem wie das mehrfache Häuten einer Zwiebel an, bis man sich durch die vielen schillernden und duftenden und geschenkträchtigen Nebenerscheinungen von Weihnachten zum eigentlichen Kern vorgearbeitet hat.

Für den einen mag Weihnachten mit der Botschaft, dass Gott in Jesus Mensch wurde, nicht fassbar sein oder weit entfernt. Manche reisen bewusst zu Weihnachten weit genug weg. Für die anderen bleibt es ein Geschehen, das immer neu erschlossen werden muss oder in dem bewussten Nehmen von Zeit und Andacht Niederschlag findet. Ein Weihnachtslied (Fröhlich soll mein Herze springen) formuliert in einer Strophe: "Gott wird Mensch, Dir Mensch zugute, Gottes Kind, das verbindt' sich mit unserem Blute." Ja, wir müssen den Kern von Weihnachten befragen, sonst verwechseln wir die Hülle mit dem Inhalt. Wenn wir die Aussagen von Jesus anschauen, wird schnell deutlich, dass wir mit mehr zu tun haben als mit einem bloßen Menschen, einem begabten Redner oder einer überaus sozialen Gestalt. Er spricht und handelt mit einem offenbar göttlichen Selbstverständnis, er sieht sich als gesandt und wesensgleich mit dem unsichtbaren Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. So wie er Mitmenschen in einer erstaunlichen Weise durchschaut und ihnen Orientierung gibt, so wie er Menschen mit Krankheiten und Gebrechen heilt und frei macht bis hin zur Wiederweckung von Toten: Wir stehen staunend und immer noch fragend vor der bemerkenswerten Person Jesus Christus. Wir erleben ihn dann als jemanden, der unschuldig wie ein Verbrecher hingerichtet wird, aber dagegen nicht protestiert, sondern im Gegenteil bewusst und freiwillig in den Tod geht, um die Schuld von jedem zu vergeben, der ihm vertraut. Nach drei Tagen erscheint er über zehn Mal unterschiedlichen Menschen als der auferstandene, lebendige Herr. Jesus, wer bist Du, mit wem haben wir da zu tun bekommen? Der prominente Zeitgenosse Thomas Gottschalk sagt Folgendes: "Wenn ich am Ende einmal die Augen zumache und merke, Jesus ist doch nicht Mensch geworden- dann habe ich doch nichts falsch gemacht. Das ist das geringere Risiko, als wenn ich mir jetzt einen rationalen Atheismus anerziehe, und nachher gibt es doch die Erlösung." Der katholische Theologe Zenetti formuliert: "Was Jesus für mich ist? Einer, der für mich ist. - Was ich von Jesu halte? Dass er mich hält." Hans-Ulrich Ehinger, Evangelischer Pfarrer in Bitburg