GLAUBEN IM ALLTAG

Stellen Sie sich vor, Ihr Grundstück ist unbezäunt. Sie vertrauen darauf, dass andere die Grenze respektieren und es nicht unaufgefordert betreten.

Johannes Eiswirth

Foto: (e_eifel )

Aber Sie merken, irgendjemand lässt seinen Hund immer wieder auf die gleiche Stelle pinkeln - das Gras wird braun. Das zeigt eine bestimmte Haltung zu Eigentum - Meins und Deins. Nämlich, dass keine Grenzen anerkannt werden und ich mir herausnehme, was ich will. Oder: Ihr Nachbar kommt und fragt, hast du ein bestimmtes Werkzeug und kannst es mir leihen? Sie haben es und leihen es aus. Auch das weist auf eine bestimmte Haltung zu Eigentum hin: Sie wissen - was ich ausleihe, bekomme ich auch wieder zurück. Nur selten (mir ist es einmal passiert) erhalten Sie es nicht zurück. Dieses Beispiel spiegelt auch eine Haltung zu Mein und Dein und zum Haben. Einerseits: Wenn Sie etwas verleihen, zeigen Sie damit, dass Sie Ihr Eigentum nicht für sich allein haben wollen. Sie stellen es anderen zur Verfügung. Und Sie sind sogar bereit, es zu "verlieren" - Sie haben eine gelöste Haltung dazu, hängen nicht daran. Andererseits: Wenn Sie etwas ausleihen, sagen Sie damit: Ich muss nicht alles selbst haben, muss nicht alles besitzen. Ich kann auch ohne leben und vertrauen auf gegenseitige Hilfe. Ihr Zurückgeben zeigt: Ich respektiere dein Eigentum und behalte es nicht für mich. Die christliche Haltung, die dahinter steht - oder nicht - ist die, wie ich zu Materiellem stehe. Und wie mein Verhältnis zur Gemeinschaft ist. Wenn wir als Christen davon sprechen, dass wir Schwestern und Brüder sind, dann betrachten wir uns als miteinander, und zwar familiär, verbunden. Das beeinflusst die Bereitschaft, füreinander da zu sein, sich zu respektieren. Und zu wissen, wo Mein und Dein beginnt und aufhört, und wertschätzend miteinander und mit Eigentum umzugehen. Unterm Strich läuft es auf die Aussage des Paulus hinaus: Lebt so miteinander, dass sie sagen: "Seht, wie sie einander lieben (und respektieren) und euch nach dem Grund eurer Hoffnung fragen!" Nach unserem christlichen Glauben und was der für unser Leben und unsere Haltung zum Leben und untereinander bedeutet. Johannes Eiswirth ist geschäftsführender Dekanatsreferent im Dekanat St. Willibrord Westeifel