GLAUBEN IM ALLTAG

Vor einigen Tagen fuhr ich von Prüm kommend auf der A60 an Spangdahlem vorbei. Ich schaute rüber zum Militärflughafen, rechts von der Autobahn, so, wie ich fast immer darauf schaue, wenn ich daran vorbeifahre.

Plötzlich meinte mein Freund, der mich begleitete: "Guck mal da auf der linken Seite, ist die nicht schön, dort oben auf dem Hügel?" Er ist Kirchenhistoriker und zeigte auf die schöne kleine Kirche St. Appolonia, auf dem Hügel von Gransdorf, direkt gegenüber von der Militäranlage auf der anderen Seite der Autobahn. Seltsam...mir ist diese kleine Kirche nie so aufgefallen...aber warum? Die Schutzpatronin dieser Kirche war ursprünglich die Gottesmutter Maria. Mich begleitet in diesem Advent immer wieder das bekannte Lied "Maria durch ein Dornwald ging". Dieses Lied erzählt von Marias Schwangerschaft mit Jesus in einer bildhaften Sprache von grundlegenden Lebenserfahrungen. Wir stoßen uns an Hass, Gewalt, Krieg und Tod...an dornigen Erfahrungen. Wir suchen nach anderen Wegen und landen doch wieder in einem Gestrüpp. Wir leben in einer Welt voller Dornen. Wo Maria und Jesus hinkommen, da beginnt es zu blühen, da beginnt Totes zu leben "...da haben die Dornen Rosen getragen." Es duftet nicht mehr nur nach Blut, sondern nach Blumen. Alle dornenreichen Leid- und Todeserfahrungen können sich verwandeln. Auch unsere Dornen können Rosen tragen, wenn wir alle mit Jesus und Maria zusammen gehen. Im Advent liegt die alte Hoffnung auf wirklich rosigere und friedlichere Zeiten. Wenn wir in wenigen Tagen in der Krippe das Jesuskind sehen, dann ist es der Gleiche, der am Kreuz starb, und der Gleiche, der siegreich aus dem Grab erstand. Advent heißt: Ankunft des Herrn. Lassen wir den Herrn ankommen, zusammen mit Maria, auch in unserem Dornenwald, damit auch unsere Dornen Rosen tragen können. Ingo Ruhe, Forstwirt aus Schwirzheim