Gleichung mit Unbekannten

BITBURG. Die Grundschule hat es, die Realschule auch, nur das Bindeglied dazwischen noch nicht: Im kommenden Schuljahr soll in Bitburgs Edith-Stein-Hauptschule auch eine Ganztagsschule integriert werden.

"Wenn es dazu kommt, wird sich die Schule sehr verändern", sagt Günter Weins, Lehrer an der Edith-Stein-Hauptschule in Bitburg, der über Eintreten und Ausmaß der Veränderung nur spekulieren kann. Alles steht und fällt mit der Zahl 54. Denn genau so viele Schüler sind nötig, damit die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier der Bitburger Edith-Stein-Hauptschule die Erweiterung zur Ganztagsschule ermöglicht und diese auch finanziell fördert.Die erste Hürde muss am 15. März genommen sein

"Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das schaffen werden", sagt Torsten Meier zuversichtlich. Er ist Klassenlehrer der 7b, der den Übergang zur angestrebten Ganztagsschule betreut und in dieser Funktion während eines Info-Abends vor rund 30 Eltern und einigen Schülern sprach. Bis spätestens 15. März muss der Schule die Mindestzahl an Anmeldungen vorliegen, und erst, wenn diese erste Hürde geschafft ist, wird sich zeigen, welche Form das Ganztagsangebot der Edith-Stein-Hauptschule haben wird. Zwei Modelle kommen für die Bitburger in Frage. Eines, das von der Schule favorisiert wird, und eines, das als wahrscheinlicher gilt. Die bevorzugte Variante, das so genannte integrative Modell, sieht Klassen vor, in denen nur Ganztagsschüler sind und in denen sich Unterricht und Zusatzangebote wie auf Unterricht bezogene Ergänzungen, Fördermaßnahmen, thematische Projekte und Freizeitgestaltung abwechseln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass genügend Schüler eines Jahrgangs, mindestens 14, das Ganztagsangebot wahrnehmen, und die damit verbundene Bedingung, dass es auch weiterhin eine Parallelklasse geben wird, in der die übrigen Schüler unterrichtet werden. Als wahrscheinlicher gilt jedoch Variante zwei, das additive Modell. Hierbei haben - wie bisher - alle Schüler vormittags gemeinsam Unterricht, und die zusätzlichen Angebote werden auf den Nachmittag verlegt. Doch unabhängig davon, zu welcher Lösung es kommen wird: Die Ganztagsschüler werden zwar länger in der Schule sein als ihre Halbtagskollegen (montags bis donnerstags von acht bis 16 Uhr, bei Bedarf auch freitagnachmittags), doch deshalb werden sie nicht mehr Unterricht haben. Außerdem sollen sich die Vollzeit-Schüler nach Feierabend nicht mehr mit Hausaufgaben plagen müssen. Ob er das Ganztagsangebot annimmt, ist jedem Schüler oder viel mehr dessen Eltern selbst überlassen. Wird das Kind jedoch dazu angemeldet, dann ist es auch für gesamte Schuljahr verpflichtend. "Wir wollen hier keine Rattenfänger spielen", sagt Meier und reagiert damit auf die geäußerte Sorge einiger Eltern, die sich schwer tun, ihr Kind für etwas anzumelden, von dem sie weder wissen, wie es später genau aussehen wird, noch ob es dem Sohn oder der Tochter überhaupt gefällt. "Was wir hier tun, machen wir für die Schüler, für die Eltern und aus Überzeugung", fügt der Klassenlehrer hinzu, und Weins ergänzt: "Es geht ja hier nicht nur darum, dass die Kinder ihren Spaß haben, sondern vor allem darum, dass die Eltern entlastet werden." Zuversichtlich ist auch er, doch "garantieren, dass es nachher hundertprozentig läuft", könne niemand. "Wir haben es ja hier immerhin mit Menschen zu tun." Mit Menschen, von denen sich bis zum 15. März mindestens 54 dafür entschieden haben müssen - ansonsten ist das Thema für die Edith-Stein-Hauptschule gestorben. Das Netz der Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz sei weitestgehend flächendeckend, erklärt Torsten Meier. "Wir gehören zum letzten Durchgang, der noch Ganztagsschule werden kann", sagt er. "Das ist eine Chance, die nicht wieder kommt."