Globalisierung der Eifeler Scholle

Globalisierung der Eifeler Scholle

BITBURG. (ako) Ökolandbau als Chance für die Region, die Diskussion dieses Themas lockte nicht die Masse der Landwirte ins Eifelbräu nach Bitburg, sondern vor allem Bauern, die bereit waren, sich auf eine komplizierte Materie einzulassen.

Das Sprichwort, dass der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln ernte, entpuppt sich angesichts der anstehenden EU-Agrarreform als blanker Unsinn: Ein "dummer" Bauer wird in Zukunft gar nichts mehr ernten. Denn die Zusammenhänge, in denen jeder Landwirt der Eifel arbeitet, sind global und so komplex, dass sie eine Art Wissenschaft für sich sind. Es hagelt Fremdwörter und Fachchinesisch: Entkoppelung und Modulation, cross compliance und World Trade Organisation (WTO), zu Deutsch die Welthandelsorganisation. Das Scheitern der WTO-Verhandlungen im mexikanischen Cancun wirkt sich bis in den entlegensten Winkel des Islek aus, wie die von der Grünen-Bundestagsabgeordneten und Sprecherin des agrarpolitischen Ausschusses, Ulrike Höfken, initiierte Diskussionsveranstaltung in Bitburg deutlich machte. Denn längst ist für die Landwirte an Nims, Prüm, Sauer oder Kyll nicht nur relevant, was Brüssel für sie entscheidet, sondern die EU ringt mal mehr, mal weniger geschlossen mit der ganzen Welt darüber, wie Nahrungsmittel produziert und gehandelt werden. Trotz der Tragweite des Themas hatte das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium davon Abstand genommen, die Einladung nach Bitburg wahrzunehmen: Man gehe nicht auf parteipolitische Veranstaltungen, so die Begründung. Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und in dieser Funktion fast natürlicher "Gegenspieler" der Grünen-Fachfrau, fasste das Forum nicht als Parteiwerbung auf, vielmehr als Gelegenheit, seiner Besorgnis Ausdruck zu verschaffen. Das, was da auf den Tisch komme in Sachen EU-Agrarreform, sei "das Gegenteil einer Vereinfachung", sondern als kompliziertes neues System, das alles Bewährte "ohne Not" über Bord werfe.Bauernchef Horper prophezeit Streit

Bis zum August nächsten Jahres muss sich Deutschland entscheiden, was es will in Sachen Landwirtschaftsförderung. Denn eines ist klar: Die bisher übliche Methode, die Subventionen an die Menge der erzeugten Güter zu koppeln, wird angesichts von EU-Osterweiterung und bestehender Überproduktion der Vergangenheit angehören. Milchseen und Butterberge soll es nicht mehr geben, statt dessen sollen der ländliche Raum und die ökologische Landschaftspflege im Mittelpunkt des Geldsegens stehen. "Es wird innerhalb Deutschlands und der unterschiedlich strukturierten Regionen Streit geben", prophezeite Horper, "Bullenmäster, Milcherzeuger und der Ackerbau von Kartoffel- bis Zuckerrübenerzeugung werden Verlierer sein." Es könne doch nicht Sinn der Landwirtschaft sein, für das Nicht-Produzieren Prämien zu kassieren. Doch die Landwirte der Region Trier können, so die Einschätzung der Bundestagsabgeordneten aus dem Regierungslager, durchaus von der Agrarreform profitieren. Sie plädiert für das Regionalmodell. Darin ist die Förderung nicht an das Wirtschaften einzelner Betriebe gebunden, die dann mit den Prämien handeln können. Vielmehr ist eine einheitliche Flächenprämie differenziert nach Grünland und Acker vorgesehen, die laut Höfken der gesamten Struktur im ländlichen Raum zugute kommt. Zudem schaffe es bis 2013 Rechtssicherheit, und man könne die Folgewirkungen in Ruhe planen. "Der ländliche Raum", so Höfken, "ist mehr als nur Landwirtschaft im klassischen Sinn. Wenn wir das nicht sehen, riskieren wir hier eine höhere Arbeitslosigkeit." Mehr Förderung für Landschaftspflege und Grünland nütze der Eifel, in der extensive Bewirtschaftung, mit traditionelle Schafhaltung und Ziegenhöfe verbreitet sind. Bei Biolandwirt Regino Esch stieß Höfken auf ungeteilte Begeisterung: "Wir Ziegenhalter können nur gewinnen", sagte er: "Wichtig ist, dass wir Bauern zusammenhalten und klar machen, wofür wir stehen: für Umwelt- und Gewässerschutz und für Arbeitsplätze auf dem Land." Es gelte, die "gute landwirtschaftliche Praxis" in der Öffentlichkeit besser herauszustellen. Die Verlierer der Reform, so seine Forderung, müssen jedoch aufgefangen werden.