Kultur: Götter und Menschen wie Du und ich

Kultur : Götter und Menschen wie Du und ich

Mit seiner neuen Ausstellung „Gips, Bronze, Kunst“ zeigt das Haus Beda Bitburg eine große Bandbreite bildhauerischen Schaffens. Eröffnung ist am Sonntag.

Ein Schritt über die Schwelle, und es eröffnet sich eine andere Welt. Eine, in der die Zeit keine Rolle spielt. In der neuen Ausstellung im Haus Beda in Bitburg treffen die römischen Gottheiten Apoll und Diana auf die preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike und werden dabei von zeitgenössischen Figuren wie etwa jenen von Birgit Feil, die ganz normale Menschen darstellt, beobachtet.

Die Ausstellung spielt mit Kontrasten. Stellt der Überhöhung des Menschlichen die Banalität des Alltäglichen gegenüber. Es sind Arbeiten aus Gips, Bronze wie auch aus Japanpapier und Plexiglas, Wachs, Metall, Muschelkalk und weiteren Materialien zu sehen. Die ganze Vielfalt bildhauerischen Schaffens.

Blick in die vielfältige Ausstellung „Gips, Bronze, Kunst“ und  das neu gestaltete Atrium von Haus Beda. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Den modernen Arbeiten in der Neuen Galerie steht die klassische Skulpturensammlung des Gründers von Haus Beda, Dr. Hanns Simon, im neu gestalteten Atrium gegenüber. Und genau hier beginnt die Zeitreise – von der Antike über das Mittelalter bis hin zu Barock und Klassizismus.

Skulpturen Ausstellung Haus Beda Bitburg. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Der Besucher wird empfangen von einer illustren Gesellschaft 14 überlebensgroßer Figuren. Sie wirken plastisch, fast lebendig und fordern in aller Stille Aufmerksamkeit. Es scheint, als würden sie gerade nur für einen kurzen Moment in der Bewegung innehalten, bevor sie ihren Weg fortsetzen. Und genau das darf auch der Besucher: innehalten, einen Schritt zurücktreten und die Dinge mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Skulpturen Ausstellung Haus Beda Bitburg. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Wer Haus Beda kennt, kennt auch diese Skulpturen. Sie standen an verschiedenen Orten der Kulturstätte. Erstmals treffen sie nun in einem Raum aufeinander. „Das war eine recht knifflige Sache“, sagt Michael Dietzsch, Vorsitzender des Rats der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, die Haus Beda betreibt. Um dieses Empfangskomitee so zu gruppieren, mussten Kräne ran. Denn die mehr als zwei Meter großen Figuren sind nicht unbedingt Leichtgewichte – auch nicht in künstlerischer Hinsicht.

Skulpturen Ausstellung Haus Beda Bitburg. Foto: TV/Dagmar Dettmer

„Es sind repräsentative Beispiele bildhauerischer Kunst aus 2000 Jahren menschlicher Darstellung“, sagt Dietzsch. Die Sammlung von Dr. Hanns Simon wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der von ihm begründeten Stiftung neu in Szene gesetzt. Die Idee dazu stammt von Stiftungsratsmitglied Stefanie Kaak – und der Rat war begeistert und hat den Umbau Ende 2018 beschlossen.

Ausstellung Haus Beda Skulpturen. Foto: Manfred Kottmann

Für die Gestaltung des Atriums wurde die Kölner Agentur „res d“ Design und Architektur beauftragt. „Nach 30 Jahren war es auch mal an der Zeit für einen neuen Auftritt“, sagt Dietzsch. Darüber, was die Stiftung investiert hat, schweigt er sich aus. Nur so viel: „Es war eher aufwändig.“

Skulpturen Ausstellung Haus Beda Bitburg. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Wände wurden durchbrochen und das Atrium mit der Galerie durch Glaswände verbunden. Im Eingangsbereich wurden die Wände in dunkelgrau gestrichen und Scheinwerfer montiert, die jede Figur anstrahlen. Über allem schwebend wurde der Eifelhimmel – abfotografiert von einem Bild von Fritz von Wille, den das Haus Beda in einer Dauerausstellung zeigt – in die Fensterlaibungen im ersten Stock gehängt.

Skulpturen Ausstellung Haus Beda Bitburg. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Durch die Glasscheiben blicken Figuren gewöhnlicher Menschen auf das Skulpturen-Ensemble im Atrium. Begrüßt von drei Nofretete-Büsten gelangt der Besucher dann in die Moderne. „Wir wollten eine Verbindung zu der Stiftungssammlung schaffen und haben nach Künstlern gesucht, die auch mit Gips arbeiten“, sagt Kuratorin Ute Bopp-Schumacher. Sie zeigt Arbeiten von fünf Künstlerinnen.

Gut eingepackt geht es für Apoll und Diana vom ersten Stock ins Atrium. Foto: Michael Dietzsch

Birgit Feil findet die Vorlage für ihre Figuren im Straßenbild, Caro Suerkemper zitiert mit ihren Tänzerinnen verspielt das Rokoko, Silvia Schreiber zeigt zerbrechlich wirkende Papier-Skulpturen, Yvonne Roeb, fesselt mit ungewöhnlichen Objekten, und die Büsten von Annette Meincke-Nagys erinnern wiederum an Nofretete.

Reizvoll für den Besucher: Die Skulpturen treten – je nach Standort im Raum – immer wieder neu miteinander in Beziehung. Ein bereicherndes Wechselspiel, das den Blick schult und den, der sich darauf einlässt, mitnimmt auf eine Entdeckungsreise durch Zeit und Raum.

Die Ausstellung „Gips, Bronze, Kunst – 50 Jahre Dr.-Hanns-Simon-Stiftung“ wird am Sonntag, 24. März, 11.30 Uhr, in Anwesenheit der fünf modernen Künstlerinnen im Haus Beda in Bitburg eröffnet und ist anschließend bis zum 30. Juni zu sehen.

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