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Goldener Herbst, glänzende Gemeinschaft

Plütscheid. Als lebendiges Dorf mit einer gesunden Altersmischung präsentiert sich Plütscheid bei der großen TV-Dorffotoaktion. 77 Bürger sind gekommen, um für das Erinnerungsfoto zu posieren und spannende Geschichten über das Dorf zu erzählen. Christian Brunker

Plütscheid. "Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah", dichtete einst Christian Friedrich Hebbel. Und ein wundervoller Herbsttag ist es auch in Plütscheid, pünktlich zur TV-Dorffotoaktion. Die Sonne strahlt am nahezu komplett blauen Himmel, die Blätter an den Bäumen tendieren schon stark ins Rot und Gelb. 77 Bürger der insgesamt 303 Einwohner sind zur ehemaligen Schule gekommen.
Vor drei Jahren haben die Plütscheider daraus mit viel Eigenleistung ihr neues Gemeindehaus gemacht. 2010 wurde es fertig, besagt die Steintafel samt Wappen vor der Tür. Noch viele der Bürger erinnern sich indessen, wie sie früher dort zur Schule gegangen sind. "Ich war in der letzten Abschlussklasse", sagt Ortsbürgermeister Johann Heltemes. Danach wurden die Kinder auf die Schulen nach Waxweiler geschickt.
Alte Kapelle abgerissen


"Das hier war früher der alte Ortskern", berichtet Dorfchronist Robert Richter. Neben der Schule habe bis 1929 auch die alte Kapelle gestanden. "Die stand zwar unter Denkmalschutz, ist aber dann trotzdem abgerissen worden", sagt Richter. Erst danach sei die heutige Kapelle weiter unten an der Kreuzung im Dorf gebaut worden. Dort steht seit neuestem auch eine Steintafel, die dem Kirchenpatron, dem heiligen Antonius, gewidmet ist.
An einem Holzgestell hängen zwei alte Glocken. Wie in so vielen Orten wurde die alte Bronzeglocke der Kirche im Zweiten Weltkrieg 1942 abgehängt und eingeschmolzen.
Der damalige Küster Thomas Karp sammelte Spenden, so dass zwei Exemplare aus Stahl beschafft werden konnten, die bis 1986 ihren Dienst taten. Erst dann gab es neue Glocken aus Bronze. Eine der Stahlglocken hängt nun an dem Gestell, die zweite hatte einen Riss und wurde eingeschmolzen. Woher die zweite Glocke, sie ist aus Zinn, stammt, ist unbekannt.
An viele solche Geschichten kann sich auch Johann Lehnertz erinnern. Der 84-jährige gebürtiger Plütscheider ist der älteste Teilnehmer der Dorffoto-Aktion. "Wenn man so lange in einem Dorf lebt, kann man sich nicht mehr vorstellen, woanders zu wohnen", sagt Lehnertz. Den Titel des ältesten Anwesenden hat er nur um ein paar Wochen vor Johann Kapell gewonnen - selbstredend, dass der TV da keinen Unterschied macht und auch ihn zum kleinen Interview bittet.

Keine Überalterung


Der 84 Jahre alte Schreinermeister ist zusammen mit seiner Frau Magda - ebenfalls 84 Jahre jung - gekommen, 1955 haben die beiden geheiratet. 2015 steht die diamantene Hochzeit an. "Die goldene haben wir ja schon lange hinter uns", sagt Magda Kapell. Und noch immer sei man glücklich miteinander.
Aus der Ehe ist auch der ehemalige Ortsbürgermeister Josef Kapell hervorgegangen - und natürlich ebenfalls bei der Dorffoto-Aktion dabei. Das Engagement für die Kommunalpolitik hat er allerdings nicht von der väterlichen Seite geerbt. "Als Handwerksmeister hatte ich keine Zeit für so etwas", sagt Johann Kapell.
Die Jüngste an diesem Tag ist Lena Adam, erst seit 17 Monaten bereichert das Mädchen den Ort. Sie freut sich - nach Auskunft ihrer Mutter - besonders über die vielen Spielgefährten, die in direkter Nachbarschaft wohnen. Denn von einer Überalterung ist an diesem Tag in Plütscheid nichts zu sehen, auch Ortsbürgermeister Johann Heltemes freut sich, dass die Mischung in seinem Dorf einfach stimmt. Das trage dazu bei, dass man seit Jahren die Einwohnerzahl stabil über der Marke von 300 halten könne.
Außerdem habe man den Vorteil, dass der Ort durch die nahe Autobahn ein attraktiver Wohnort sei, von dem man schnell in Prüm und Bitburg ist. Auch an Tagen, an denen der Herbst mal nicht ganz so golden ist.