Grasen für den Artenschutz

Grasen für den Artenschutz

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang inmitten des Nationalparks Eifel hat das jährliche Mähen der Offenland-Biotope begonnen. Den ganzen Sommer über halten zusätzlich rund 3000 Schafe die Dreiborner Hochfläche von Gras und Gestrüpp frei. Beide Maßnahmen sorgen für den Schutz seltener Pflanzen und der von ihnen lebenden Tiere.

Vogelsang. (red) Traktoren ziehen derzeit ihre Kreise auf den ausgedehnten Wiesenflächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang inmitten des Nationalparks Eifel - das jährliche Mähen der Offenland-Biotope hat begonnen. 240 Hektar Grünland sollen auf diese Weise erhalten bleiben. Noch mehr Fläche, rund 540 Hektar, beweiden 3000 Schafe, die zusammen mit drei Schäfern zwischen April und Oktober jeden Tag auf der Dreiborner Hochfläche verbringen. Doch warum wird das Gras niedrig gehalten, lautet die oberste Nationalpark-Philosophie doch "Natur Natur sein lassen"? Die Nationalparkverwaltung informiert, dass, während sich künftig auf knapp 90 Prozent der Nationalparkfläche wieder wilde Naturwälder entwickeln sollen, die Arbeit der Bauern und Schäfer dem gezielten Erhalt besonders wertvoller Offenland-Biotope diene.

Mensch verzichtet immer mehr auf lenkende Eingriffe



Die unterschiedlichen Schutzkonzepte werden im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang auf der Dreiborner Hochfläche derzeit besonders deutlich. Während des militärischen Übungsbetriebes bestand etwa die Hälfte des insgesamt 3300 Hektar großen Areals aus Wiesen und Brachland. Noch 2005 wurden diese 1150 Hektar von Schäfern und Landwirten gepflegt. Den Rest nehmen Wälder und dichte Gebüsche ein. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung und Einrichtung des Nationalparks sollen die Pflegeflächen schrittweise auf letztlich 600 Hektar reduziert werden. Dieses gemeinsame Ziel haben sich die Nationalparkverwaltung und das Bundesforstamt Wahnerheide als Vertreter der Eigentümerin Bundesrepublik Deutschland gesetzt.

Bereits drei Jahre nach Aufgabe der militärischen Nutzung verzichtet der Mensch auf knapp 400 Hektar des Offenlandes auf lenkende Eingriffe. Diese Flächen werden nach und nach Ginster und andere Sträucher erobern, bis sich langfristig Wald ausbreitet. Der Anteil dieser Prozessschutzflächen soll im gesamten Nationalpark spätestens 2034 75 Prozent betragen, langfristig sogar 87 Prozent. Damit würde der Nationalpark auch die Kriterien für eine internationale Anerkennung erfüllen. Auf etwa 13 Prozent, den sogenannten Managementflächen, soll der Mensch weiterhin eingreifen dürfen. Hierzu zählt auch die jährliche Mahd im ehemaligen Truppenübungsplatz.

Artenreiche Wiesen und weite Panoramablicke



Mit der Offenlandpflege verfolgen Nationalparkverwaltung und Bundesforstamt mehrere Ziele. Zum einen soll sie wertvolle Lebensräume inklusive der auf sie spezialisierten Tiere und Pflanzen schützen. Da die Flächen nicht gedüngt und erst spät im Sommer nach Samenverbreitung gemäht werden, sind die Wiesen besonders reich an Blütenpflanzen, Voraussetzung für das Vorkommen vieler Kleintiere wie Schmetterlinge und Heuschrecken, Spinnen und Käfer, die wiederum größeren Tieren als Nahrung dienen. Zahlreiche der vorkommenden Pflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht, weil sie in der intensiv genutzten Kulturlandschaft keine Lebensräume mehr finden. Gleichzeitig ist das Offenland mit seinen Panoramablicken auch für die Besucher von hoher Attraktivität. Und mit etwas Glück können Besucher auf der Hochfläche neben Vögeln wie Feldlerchen, Neuntötern oder Kornweihen auch Rothirsche und andere Wildtiere beobachten.