Kultur: Graue Räume und viele Pläne

Kultur : Graue Räume und viele Pläne

Nach langer Umbauzeit ist die römische Villa Otrang wieder geöffnet. Beim Infoabend in Fließem standen die Zukunft und die Gastronomie im Fokus.

Ein großer grauer Kasten verbirgt die Eingangstür des Schutzhauses. Diese gelb gestrichenen Gebäude wurden im 19. Jahrhundert gebaut, um die römischen Funde bei der Villa Otrang zu überdachen. In einem der Schutzhäuser liegt im Apsis-Raum das eindruckvollste Mosaik der Anlage. Doch zunächst sieht man nur grau.

„Um die Villa Otrang für die Öffentlichkeit zu öffnen, mussten wir Schutzmaßnahmen ergreifen“, sagt Karl-Uwe Mahler von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) bei der Informationsveranstaltung im Pfarrheim in Fließem. Konkret heißt das, dass graue Wände eingezogen wurden, die mit Glasfenstern und -türen den Blick auf die Mosaike ermöglichen. Das gefällt nicht jedem, wie an dem Abend, bei dem rund 30 Besucher sich informierten, klar wird.

Mahler erklärt, dass die Arbeit noch nicht beendet ist. „Es war uns ein wichtiges Anliegen, zum Saisonstart zu öffnen“, sagt Mahler. Dass jetzt noch nicht alles fertig ist, müsse man in Kauf nehmen. Tatsächlich fehlt noch einiges.

Die Infotafeln hängen noch nicht, weil die Übersetzungen ins Englische, Französische und Niederländische noch nicht komplett sind. Ein Banner, das im Apsis-Raum installiert werden soll, um das Trierfries besser hervorzuheben, ist noch nicht fertig. Dabei handelt es sich um einen Querstreifen, der sich vom übrigen Blumen- und Geometriemuster abhebt. Auch im Außenbereich sollen weitere Informationstafeln installiert werden, die auch auf nicht sichtbare Gebäude wie den Wirtschaftshof und die Tempelanlage aufmerksam machen. Zudem soll besser klar werden, wie die eigentliche Villa zu römischer Zeit aussah.

Was die Reise in die römische Vergangenheit erschwert, sind die Schutzhäuser. Diese prägen das Gesicht der Anlage und dürfen, da sie unter Denkmalschutz stehen, weder abgerissen noch erheblich umgebaut werden. In zwei Schutzhäusern wurden Rampen eingebaut, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Ein neues Konzept für die beiden übrigen Schutzhäuser soll in naher Zukunft erstellt werden. Es gibt also noch viel zu tun. „Lieber gehen wir kleine Schritte, können dafür aber auch in Abschnitten bereits jetzt schon die Villa öffnen“, sagt Karl-Uwe Mahler.

Seit Ende der Saison 2016 war die Villa Otrang geschlossen. In dieser Zeit wurde viel geplant, die Schäden kartographiert und seit 2018 wird gebaut und restauriert. Damals gab es auch eine personelle Veränderung.

Christel Hedrich wurde aus Otrang nach Trier ins Landesmuseum versetzt. Davor hatte sie in der Villa gearbeitet und ihr Mann seit 1997 auf der Anlage eine Gastronomie betrieben. „Bei gutem Wetter war die Terrasse mit knapp 70 Sitzplätzen schon voll besetzt“, erzählt Christel Hedrich. Das Problem sei immer das schlechte Wetter gewesen. Dann hätte man keinen überdachten Raum zur Verfügung. Bei einem verregneten Sommer könne man sich das kaum leisten, wenn man kein weiteres Standbein habe.

Vor eben dieser Problematik stehe man auch nun. Es gibt keine Interessenten, die die Gastronomie vor Ort gerne pachten würden. Von Seiten der GDKE ist man bemüht, einen neuen Pächter zu finden. Doch dafür sei der Standort sehr schwierig, sagt Mahler. Die Fließemer machen einige Vorschläge – vom Getränkeautomaten über eine Zusammenarbeit mit karitativen Einrichtungen bis hin zu einem Architektenwettbewerb, wie ihn die GDKE für eine sogenannte „große Lösung“ vorschlägt, ist einiges dabei. Darunter versteht die Landesbehörde einen Ausbau des Angebots, sodass ein überdachter Gastraum geschaffen wird, der sich in das denkmalgeschützte Gelände einfügen kann. So ganz vorstellen können sich das die Anwohner jedoch nicht.

Die Tochter der ehemaligen Pächter, Anna Maria Hedrich, die inzwischen jeden Morgen die Pforten aufschließt und abends wieder verriegelt, sagt: „Die Villa Otrang hat viel Potential. Das Wichtigste ist, dass sie jetzt wieder geöffnet ist.“ Ortsbürgermeisterin Anja Esch ist ebenfalls froh über die Neueröffnung, die die GDKE im Sommer mit einem kleinen Fest feiern möchte. „Ein gastronomisches Angebot wäre wünschenswert, es ist wichtig für die Individualreisenden, aber auch für das Dorf selbst“, sagt Anja Esch. Dafür müsse aber auch das richtige Angebot gefunden werden.

In den kommenden Wochen und Monaten dürfte bei der Villa Otrang noch einiges geschehen.

Die Schutzhäuser der Villa Otrang haben nun wettergeschützte und barrierefreie Zugänge. Die Mosaiken sind mit Wänden und großen Glasfronten geschützt, die die ursprünglichen römischen Räume widerspiegeln sollen. Foto: Thomas Zuehmer

Die Villa Otrang ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr bis zum 31. Oktober bei freiem Eintritt geöffnet. Eine öffentliche, kostenlose Führung findet immer am letzten Sonntag im Monat um 11 Uhr statt. Führungen für Gruppen kann man in der Tourist-Info Bitburger Land buchen.