Gregorianik trifft Jazz

Gregorianik in der Kirche ist nichts Ungewöhnliches. In Kombination mit Jazz schon. Dieses Experiment haben Organist Wolfgang Weis und Sopransaxofonist Peter Thoma in der Liebfrauenkirche in Bitburg gewagt.

Bitburg. Wenn die Zuhörer am Ende eines Kirchenkonzertes spontan aufstehen und applaudieren, dann muss ein Funke übergesprungen sein. Dieser Funke wurde von zwei jungen Musikern gezündet, die etwas Ungewöhnliches wagten: Im Zusammenklang zweier überaus unterschiedlicher Instrumente, Sopransaxofon und Kirchenorgel, und mit der Musik aus zeitlich weit auseinander liegenden Stilrichtungen gelang ihnen eine faszinierende Symbiose. "Eine grundlegende Gemeinsamkeit von Gregorianik und Jazz besteht darin, dass beides zwar auf musikalischen Mustern beruht, jedoch in der klanglichen Ausformung niemals endgültig festgelegt ist", erläutert Wolfgang Weis, Regionalkantor in Rottweil und Vollblutmusiker seit Domspatzenjahren. Und der aus Nürnberg stammende studierte Jazzmusiker Peter Thoma ergänzt: "Natürlich sprechen wir uns ab und sind seit Jahren eingespielt, doch das Ergebnis beruht auf momentaner Inspiration."
So spielt das Duo ohne Noten und hat noch am Vortag in der St.-Anna-Kirche in Gerolstein anders gespielt als vor den etwa 100 Konzertbesuchern in der Liebfrauenkirche in Bitburg. Die thematische Grundlage bestand aus Choral, Spiritual und Swing, die Ausführung beruhte auf freier Improvisation. Lauschte man gerade noch scheinbar verwehenden samtigen Klängen, so türmte sich schon die nächste Woge aus geballter Tonkraft, raumfüllend und von den Gewölbedecken widerhallend, auf. Das Saxofon modulierte vom schmelzenden Piano bis zum fast aufschreienden Fortissimo, die Orgel erklang in sämtlichen Registern, wobei dem Pedal eine besondere Rolle zukam.
Lachend bezeichneten die beiden Künstler ihr Tun als eine Form von gelebter Religiosität, in Tönen eben großartigen Tönen.jomü