Grenzenloses Grünland
Bitburg/St Vith/Luxemburg · Grünlandwirtschaft hat für die Eifel eine ebenso große wirtschaftliche Bedeutung wie für die Ardennen. Daher arbeiten Deutschland, Luxemburg und Belgien in Forschung und landwirtschaftlicher Beratung schon seit zehn Jahren eng zusammen - im Rahmen des Projekts Glea, das heute in Bitburg Geburtstag feiert.
Bitburg/St. Vith/Luxemburg. Grenzen teilen es. Und jenseits dieser Grenzen hat das Mittelgebirge plötzlich andere Namen. Hier Eifel. Da Ösling. Dort Ardennen. Obwohl sich landschaftlich, geologisch oder klimatisch nicht viel ändert: Sowohl die Eifel als auch das luxemburgische Ösling und die belgischen Ardennen gelten als raue Landstriche. Die vom Westwind herangetragenen Niederschläge sind höher als in anderen Teilen der Länder. Die Böden sind karger. Und die Bedingungen für die Bauern schwieriger.
Weil Ackerbau an vielen Standorten wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, beherrschen Wiesen und Weiden die landwirtschaftliche Szenerie (siehe Extra).
Damit das Wissen, wie man dieses Grünland am besten bewirtschaftet, auch über die Grenzen hinaus geteilt werden kann, gibt es seit genau zehn Jahren Glea - ein grenzüberschreitendes Zentrum für Grünlandwirtschaft. Heute feiert es mit einem Festakt im Bitburger Hotel Eifelbräu seinen runden Geburtstag, zu dem auch Vertreter der beteiligten Regierungen aus der Wallonie, der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, aus Luxemburg und aus Mainz anreisen.
2001 wurde das Projekt, dessen Abkürzung für Grünes Land Eifel Ardennen steht, als EU-Projekt geboren, um den Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe in der Region Eifel-Ardennen zu sichern.
"Unser Ziel ist es, alle Daten und Informationen zur Grünlandbewirtschaftung auszutauschen", sagt Pierre Luxen, der Koordinator von Glea ist und gleichzeitig Leiter von Agra-Ost, dem Agrarzentrum für Versuche und Ausbildung in Ostbelgien. Dieses Zentrum beteiligt sich ebenso an dem Wissensaustausch wie das in Bitburg angesiedelte Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)Eifel. Beide Institute erforschen unter anderem, welche Grassorten, welche Düngemittel, welche Anbau- oder Weidemethoden, aber auch welche Energiepflanzen sich für die Grenzregion besonders eignen. Sie sprechen sich dabei im Rahmen des internationalen Projekts ab, tauschen ihre Ergebnisse aus, übersetzen diese und beraten die Landwirte. Es gibt auch gemeinsame Infobroschüren und -veranstaltungen. Eine der wichtigsten ist der internationale Grünlandtag, bei dem sich Bauern informieren und austauschen können. Natürlich über die deutsche, luxemburgische und belgische Grenze hinweg. Denn Gras interessiert sich nicht für Grenzen. kah
Extra
In Rheinland-Pfalz werden insgesamt 250 000 Hektar als Dauergrünland bewirtschaftet, was einem Anteil an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche von etwa 35 Prozent entspricht. In der Eifel ist es jedoch deutlich mehr: So findet sich im Eifelkreis Bitburg-Prüm auf 58 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Grünland; in der Vulkaneifel sind es sogar 74 Prozent. Auch im nahen Belgien ist der Anteil ähnlich hoch. Dies unterstreicht laut DLR die wirtschaftliche Bedeutung der Grünlandflächen. Ein Großteil des Grases wandert entweder als Heu oder direkt auf der Weide in Kuhmägen. Im Eifelkreis gibt es rund 700 Milchviehbetriebe, im Vulkaneifelkreis 215. kah