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Grenzkontrollen nach Luxemburg: „Und das soll Europa sein?“

Kostenpflichtiger Inhalt: Eine Grenzerfahrung von Nord nach Süd : Kontrollen in Luxemburg: „Und das soll Europa sein?“

Die Polizei überwacht den Verkehr aus und nach Luxemburg. Klappt das, und was halten die Bürger davon? Eine Grenzerfahrung:

Es sind Bilder aus überwunden geglaubten Zeiten. Blaulicht flackert auf den Grenzbrücken, Gitter versperren den Weg über Our und Sauer, Polizisten und Zöllner überwachen den Verkehr. 25 Jahre nach Inkrafttreten des Schengen-Abkommens ist passiert, was lange undenkbar galt: Die Grenzen zu Luxemburg sind wieder dicht.

Zum Tanken ins Ländle, zum Einkaufen nach Deutschland — was jahrzehntelang selbstverständlich war: binnen Tagen perdú. Was zusammenwuchs: per Anordnung entzweit.

Luxemburger dürfen nur noch „aus triftigen Gründen“ in die Republik einreisen. Und auch Deutsche sind angehalten, Reisen ins Nachbarland weitestgehend einzustellen. Dies soll der Eindämmung des Corona-Virus dienen. Doch lässt sich das kontrollieren, auf mehr als 60 Kilometern Grenze, die den Eifelkreis vom Großherzogtum trennen? Und halten sich die Menschen an die Vorschriften, zeigen sie Einsicht?

Luxemburgische Beamte kontrollieren den Feierabendverkehr am Grenzübergang in Vianden. Foto: TV/Christian Altmayer

Wir haben uns umgehört, zwischen Dasburg und Echternacherbrück mit Polizisten und Bürgern, Deutschen und Luxemburgern gesprochen. Unser erster Stop: Dasburg. Janine Steckenborn hat Dienst auf der Brücke, die sich hier über die Our spannt. Es ist einer der drei offenen Grenzübergänge im Eifelkreis.

Grenzkontrolle in Dasburg Foto: TV/Christian Altmayer

Der Auftrag der Polizeioberkommissarin lautet, jeden Luxemburger oder anderen Ausländer zu stoppen, der nach Deutschland will. Und gegebenenfalls zurückzuweisen, wenn er kein Pendler ist, oder einen sonstigen guten Grund für die Einreise hat. Die Bundespolizistin hält aber auch Deutsche an. „Wir dürfen zwar keinen an der Ausreise hindern“, erklärt sie, manchmal spreche sie den Menschen aber ins Gewissen: „Da kommen Leute, und wollen drüben spazieren gehen, tanken oder einkaufen — die fragen wir schon, ob das nötig ist.“ Letztlich könnten die Beamten aber nur an die Vernunft appelieren.

Viel los ist auf der B 410 an diesem Tag nicht. Ein Lastwagen kriecht die Serpentinen hinunter. Zu den Verkehrsmassen, die sich sonst durch den Ort schieben — kein Vergleich. Was ja gut sei, wie Steckenborn sagt: „Die meisten sind einsichtig.“

Das kann auch Stephan Döhn bestätigen, Pressesprecher der Bundespolizei Trier. Die Zahl der Luxemburger und anderer Ausländer, die die Beamte an den Grenzen zurückwiesen, sei  auf 100 bis 110 am Tag gefallen. „Der Höchststand lag vergangene Woche bei 530 Fällen“, sagt Döhn. Seitdem sei es ruhiger geworden. Die meisten Aufgriffe verzeichne die Bundespolizei m Süden. Im Norden gebe es kaum Zurückweisungen. Dort herrsche aber auch weniger Verkehr als bei Wasserbillig oder Echternach.

Aber auch in Vianden, beileibe nicht der meistfrequentierte Übergang ins Ländle, staut es sich am frühen Abend. Es ist Feierabendverkehr. „Mehr als 90 Prozent der Grenzgänger sind Pendler“, sagt ein Bundespolizist. Sodass sie mit Bescheinigung vom Arbeitgeber  flott den Posten passieren dürfen. Die Kontrollen: sie dauern meist nur wenige Sekunden. Zurückweisungen seien die Ausnahme.

Ähnlich ist die Lage in Echternacherbrück. „Wir haben heute vielleicht sieben, acht Leute zurück geschickt“, sagt ein Bundespolizist. Übermäßige Staus habe er nicht beobachtet: „Zur Hauptverkehrszeit standen die Autos zwar bis zum Kreisel.“ Die Schlange habe sich aber schnell aufgelöst.

An den drei offenen Grenzpunkten ballt sich, was sonst über viele Kanäle abläuft. Denn seit Donnerstagnachmittag sind alle kleinen Grenzübergänge von Übereisenbach über Gemünd, Keppeshausen, Roth, Wallendorf bis Bolledorf geschlossen. Rot-weiße Absperrungen versperren den Weg.

Luxemburgische Polizisten passen in Übereisenbach auf, dass keiner über die Brücke geht. Foto: TV/Christian Altmayer

„Es ging nicht anders“, sagt Döhn von der Bundespolizei. Denn zuvor hätten viele die Kontrollstellen umfahren. Doch es gebe noch Fahrer, die die Posten beiseiteräumten, oder im Slalom um sie herumkurvten. In Bollendorf können wir selbst beobachten, wie ein Wagen an den Absperrungen vorbeibraust. Und auch in Echternacherbrück missachtet ein Luxemburger die Beschilderung. Wer bei solchen Aktionen von einer Streife erwischt werde, könne mit bis zu 3000 Euro Bußgeld rechnen, warnt Döhn.

Tatsächlich begegnen wir unterwegs Patrouillen, so auch auf der Grenzbrücke in Übereisenbach. „Wir stehen hier jetzt seit eine halben Stunde. Bislang sind zwei Personen vorbeigekommen“, sagt einer der luxemburgischen Polizisten und rollt mit den Augen. Da nähert sich Person Nummero drei: eine ältere Dame, Spazierstock in der Hand. Ihre Wandertour würde die Luxemburgerin normalerweise über die Brücke führen, sagt sie. Doch die, das machen die Beamten ihr klar, ist tabu. Sie lacht und dreht um.

Offene Grenzübergänge Foto: TV/Schramm, Johannes

Nicht alle sind so verständnisvoll. So erzählt uns ein Anwohner in Gemünd an der Our: „Ich habe einen Acker auf der anderen Seite des Flusses. Jetzt muss ich einen Riesenumweg fahren, um dorthin zu kommen.“ Ein Bürger aus Vianden sagt: „Meine pflegebedürftige Mutter wohnt in Roth. Seit Jahren fahre ich hier über die Grenze, um sie zu besuchen. Und jetzt soll das nicht mehr möglich sein?“ „Eingesperrt“, kommt sich auch ein Bürger aus Wallendorf vor: „Ich habe bei diesen Absperrungen ein ganz mulmiges Gefühl. Und das soll Europa sein?“