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Große Firmen zieht es nicht nach Speicher

Große Firmen zieht es nicht nach Speicher

Die Umsetzung der Idee, auf dem Areal der ehemaligen Schornsteinfabrik in Speicher ein Einkaufszentrum zu errichten, lässt weiter auf sich warten. Laut VG-Verwaltung hält der Investor zwar noch immer an seinen Plänen für das Plewa-Gelände fest, doch fehlt das Interesse von Unternehmen, sich in Speicher anzusiedeln.

Speicher. Zu den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft gehört das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Nur scheint es so, als komme dieses Gesetz nicht überall zur Anwendung. "Der Bedarf ist da, aber es findet sich einfach keiner, der diesen Bedarf deckt", sagt Edmund Weimann von der Verbandsgemeindeverwaltung Speicher.Lidl nicht mehr interessiert

Seit längerem bemüht sich die Verbandsgemeinde, in der neben 8000 einheimischen Bürgern derzeit auch noch 6000 US-Amerikaner leben, gemeinsam mit der Stadt Speicher darum, auf dem alten Plewa-Gelände ein Einkaufszentrum zu errichten. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr ein Einzelhandelskonzept beschlossen, in dem das Areal der ehemaligen Schornsteinfabrik eine entscheidende Rolle spielt (siehe Extra). Und es gibt auch einen Investor aus München, der laut Weimann nach wie vor an dem Gelände interessiert ist. Aber das allein reicht nicht."Wir stehen im laufenden Kontakt mit dem Investor", sagt Weimann, doch habe der Unternehmer aus Süddeutschland Schwierigkeiten damit, Discounter- oder Fachmarktketten für den Standort Speicher zu gewinnen. "Die Unternehmen haben ihre Marktstrategien geändert und ziehen sich zunehmend aus den kleinen Städten zurück", erklärt der VG-Mitarbeiter: Konkret bedeute dies, dass die ursprünglich als Mieter gehandelte Discounterkette Lidl an Speicher nicht mehr interessiert sei. "Und wenn erst einmal der Ankermieter wegfällt, dann springen auch andere Interessenten ab", sagt Weimann.Nachdem im vergangenen Jahr die Schlecker-Filiale am Speicherer Markt zugemacht habe, sei man natürlich sehr daran interessiert, eine Drogeriefiliale wie beispielsweise DM nach Speicher zu bekommen, sagt Weimann. Doch da sei derzeit nichts zu wollen. "Wir haben ein Einzelhandelkonzept, und wir würden auch gerne den Bebauungsplan für diesen Bereich erstellen", fügt er hinzu. Doch solange der Investor, der weiterhin ein Vorkaufsrecht für das rund zwei Hektar große Plewa-Gelände habe, keine Mieter für sein Projekt finde, sei eine Überplanung sinnlos.Eigentümer der ehemaligen Schornsteinfabrik ist nach Auskunft der Verwaltung derzeit noch das Unternehmen Jakob-Plein-Wagner-Steinzeugwarenfabrik. Wie es mit dem Gelände weitergeht, falls dort kein Einkaufszentrum entstehen sollte, ist ungewiss: Eine an den Eigentümer bereits vor Wochen gestellte Anfrage unserer Zeitung blieb bislang unbeantwortet.Meinung

Der Titel Stadt genügt nichtIm Mai 2012 kam Kurt Beck, damals noch Ministerpräsident, nach Speicher und verlieh der Gemeinde die Stadtrechte. Doch wer gemeint hat, dies werde dem Töpferort zu neuem Schwung verhelfen, hat sich getäuscht. Zwar ist Speicher eine Stadt, aber bald eine Stadt ohne weiterführende Schule. Auch ob Speicher über 2019 hinaus noch Verwaltungsstandort bleibt, ist keinesfalls gewiss. Stichwort Kommunalreform: Das Land sieht für die VG Speicher einen Gebietsänderungsbedarf. Und auch als Einkaufsstadt hat Speicher einen schweren Stand: Das Oberzentrum Trier ist nicht weit weg, die Mittelzentren Bitburg und Wittlich auch nicht, zudem rüsten diese mächtig auf. Es dürfte für eine kleine Kommune mit gut 3200 Einwohnern schwierig sein, Unternehmen für sich zu gewinnen. Und somit steht hinter dem Vorhaben auf dem Plewa-Gelände ein dickes Fragezeichen. Kurzum: Der Titel Stadt allein genügt nicht, um als Standort attraktiv zu sein. n.ebner@volksfreund.deExtra

2012 hat der Stadtrat Speicher die Umsetzung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts beschlossen. Ein Kernpunkt ist dabei die Umnutzung des Plewa-Geländes nordöstlich des Stadtzentrums. Stadt und VG erhoffen sich dadurch eine Steigerung der Attraktivität Speichers als Einkaufstadt. Zudem soll mit dem Areal eine Verbindung zwischen den Händlern im Ortszentrum sowie den Märkten (unter anderem Rewe und Aldi) in der Kapellenstraße geschaffen werden. Einige Händler befürchten jedoch, dass dadurch lediglich eine Konkurrenz für die überwiegend inhabergeführten Geschäfte im Ortskern entsteht. uhe