Großreinemachen in der guten Stube der Uhus: Naturschutzbund Kylleifel säubert Brutrevier bei Birgel

Großreinemachen in der guten Stube der Uhus: Naturschutzbund Kylleifel säubert Brutrevier bei Birgel

Alle fünf Jahre rückt ein Team des Naturschutzbunds Kylleifel in einen Wald nahe Birgel aus, um dort das Brutrevier eines Uhu-Paares von Gehölz zu befreien. Würde das Gelände verbuschen, fehlte es den Vögeln an Jagdmöglichkeiten.

Birgel. Beherzt setzt Linus (8) eine Gehölzschere an einem Kiefernschössling an. In den Händen des Jungen wirkt das Werkzeug etwas überdimensioniert, aber Linus weiß, was er tut. "Hier ist noch einer", ruft er seinem Freund Enno (7) zu und schneidet mit einem kräftigen Schnitt den Baum am Stamm durch.
"Wir beide kümmern uns hier unten um die kleinen, mein Vater dort hinten um die größeren Bäume", erklärt Linus und deutet in Richtung Martin Schulz, der gerade eine Kettensäge anspringen lässt, um ein kapitaleres Exemplar zu fällen. Warum die Kiefern weg müssen? Linus kann das als Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) Kylleifel schnell erklären: "Wenn hier alles zuwächst, können die Uhus, die hier ihr Nest haben, nicht mehr gut jagen. Und wenn das nicht geht, müssen sie sich einen neuen Platz suchen."
Besser hätte es Clemens Hackenberg, Vorsitzender des Nabu Kylleifel, wohl kaum zusammenfassen können. Gemeinsam mit einer Gruppe von Ehrenämtlern - und den beiden Jungen - hat er am Wochenende das gut verborgene Revier eines seit vielen Jahren am Hirschberg brütenden Uhu-Paars gepflegt.Wildcamper lassen Müll zurück


"Als in den 1980er Jahren der Uhu wieder in der Vulkaneifel angesiedelt wurde, war dieser Platz der erste, an dem sich tatsächlich ein Paar zum Brüten niederließ", erklärt er. Eigentlich sei der Uhu in der Eifel ausgestorben gewesen, bis Paare aus dem Balkan hierher gebracht worden seien. "Genetisch ist der eigentliche Eifel-Uhu zwar leider ausgestorben, aber diese angesiedelten Tiere behaupten sich hier ganz gut", sagt Hackenberg.
Seitdem die Tiere sich bei Birgel ihr Revier gesucht haben, kümmert sich der Nabu um die Pflege des Geländes. "Oft müssen wir hier aber nicht hin. Vielleicht alle fünf Jahre, aber wenn wir die Kiefern nicht zurückschneiden würden, wäre die Fläche sehr schnell verbuscht und am Boden zu dicht für die Vögel."
Doch nicht allein die Kiefern bereiten den Naturschützern Arbeit. "Wir müssen leider auch einigen Müll wegräumen. Irgendwer scheint hier vor nicht langer Zeit gecampt zu haben", sagt Gerd Ostermann, Biotopbetreuer im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz. Man habe einiges an Plastikmüll gefunden, aber auch eine Dose Rasierschaum.
Wenn der Uhu zur falschen Zeit gestört werde, sei das schon kein kleines Problem, sagt Hackenberg. "Bereits im Herbst beginnt die Balz. Fühlen sich die Vögel zu sehr gestört, verschwinden sie." Bisher sei das Brutpaar aber seinem angestammten Nistplatz treu, stellt Hackenberg erleichtert fest.Untrügliche Zeichen


Typische Igelhäute, die der Uhu manchmal zurücklässt, finden die Geländepfleger zwar dieses Mal nicht, aber dafür entdeckt Clemens Hackenberg beim Klettern am Fuße der Felswand Gewölle. Dieses eiförmige Gemisch aus Knochen- und anderen Beuteresten würgen Raubvögel als unverdaulichen Rest ihrer Mahlzeiten hoch und hinterlassen es als deutliches Zeichen ihrer Anwesenheit.
Doch nicht nur das: Auch ohne diesen für Menschen mitunter etwas unappetitlichen Gruß weiß Ostermann, dass die Tiere weiterhin vor Ort sind. "Ich wohne nicht weit entfernt. Gerade in der Dämmerung hört man selbst in Birgel noch deutlich ihre ziemlich typischen Rufe. Wohlgemerkt nicht ,Uhu\', wie manchmal gedacht wird - einfach nur Buhhh." aff

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