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Großvorhaben: zwei neue Kläranlagen für die Verbandsgemeinde Arzfeld

Gemeinde investiert in sauberes Wasser : Das wäre dann weitgehend geklärt

Die Verbandsgemeinde Arzfeld lässt derzeit die Kläranlage in Plütscheid erneuern – mit Hilfe vom Land: Ministerin Ulrike Höfken hat 1,5 Millionen Euro dafür bereitgestellt. Die Kommune wird aber noch mehr brauchen.

Große Fläche, kleine Dörfer, noch kleinere Siedlungen – und überall muss das Abwasser gereinigt werden, bevor es in Bäche, Flüsse und Seen gelangt: In der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld mit ihren 9500 Einwohnern in 43 Dörfern, sagt Werkleiter Herbert Gierenz, stehen deshalb aktuell 30 Kläranlagen – und 46 Pumpwerke, „weil wir nicht überall gleichmäßiges Gefälle haben“.

Der Aufwand, den sie dafür im Islek betreiben, lässt sich auch in Geld ausdrücken: 60 Millionen Euro hat die VG bisher dafür ausgegeben. Und dadurch einen Anschlussgrad von 96 Prozent ihrer Haushalte erreicht. In den übrigen vier Prozent – Kleinsiedlungen, Außengehöfte – wird mit Einzelkläranlagen gereinigt.

Im vergangenen Jahr, sagt Bürgerrmeister Andreas Kruppert (CDU), „haben wir gerade die Komplettierung abgeschlossen“. Aber so sei das eben: Habe man alles fertig, müsse bereits an irgendeiner Stelle wieder saniert werden.

Aktueller Fall: Plütscheid. Hinter der bereits laufenden Sanierung der Anlage dort stehe fast schon ein Neubau, sagt der VG-Chef. „Das ist zwar am alten Standort der Kläranlage“, ergänzt Gierenz. „Aber von der bleibt letztlich nichts mehr übrig.“

Ergebnis, wenn alles im kommenden Jahr fertig ist: „Eine deutliche Aufwertung der Anlage, mit moderner Technik und für mehr Einwohner ausgelegt“, sagt Kruppert.

Kosten: 2,7 Millionen Euro. Da hilft dann der Besuch von Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) diese Woche auf der Baustelle. Weil sie einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro von der Landesregierung mitbrachte. Auch deswegen, weil die Anlage effektiver arbeitet als die bisherige: „Dadurch kann die Kommune künftig nicht nur Energie bei der Abwasserreinigung einsparen“, teilt die Ministerin mit, „sondern auch den Eintrag von Phosphor in den Ehlenzbach im Einzugsgebiet der Prüm deutlich reduzieren.“

Gut die Hälfte der Kosten sind also geregelt. Es sei der erste Förderbescheid, sagt Gierenz und hofft auf weitere Unterstützung aus Mainz.

Abschluss der Arbeiten in Plütscheid? Mit Glück im kommenden Jahr. „Wenn alles gut läuft“, sagt Herbert Gierenz, „können wir die Anlage im Herbst in Betrieb nehmen. Dann muss aber schon alles gut laufen.“

Die beiden Baufirmen, die den Auftrag erhielten, kennen sich zumindest aus mit solchen Projekten, sie machen das seit zwei Jahrzehnten gemeinsam und nicht nur in der Eifel: Backes aus Stadtkyll und Zahnen Technik aus, genau, Arzfeld, Spezialist im Bau von Kläranlagen und ein Vorreiter in der Entwicklung neuer Techniken.

Im vorigen Jahr hat das Unternehmen von Herbert Zahnen gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau und einer Chemiefirma in Karlsruhe ein günstiges Verfahren zum Ausfiltern von Plastik, Pharmazeutika, Pestiziden und anderen gefährlichen Stoffen entwickelt (der TV berichtete).

Sobald das Verfahren marktreif ist, soll es als sogenannte vierte Reinigungsstufe in die Kläranlagen integriert werden (siehe Info).

Mit Plütscheid ist unterdessen die Erneuerung der Kläranlagen in der Verbandsgemeinde nicht erledigt: „In den nächsten Jahren wird dann auch eine neue Anlage in Arzfeld kommen“, sagt Herbert Gierenz. Derzeit prüfe man, ob auch eine Fotovoltikanlage integriert werden kann, die dann gleich einen Teil des Stroms liefert.

Diese Anlage wird dann an einem neuen Standort gebaut – und, so die vorläufige Schätzung, für wahrscheinlich mehr als vier Millionen Euro. Da würde man sich in der Verbandsgemeinde über weitere Besuche der Ministerin durchaus freuen.

 Die Baustelle für die neue Kläranlage in Plütscheid.
Die Baustelle für die neue Kläranlage in Plütscheid. Foto: Fritz-Peter Linden

Zwei dicke Projekte also, aber so ist das eben: „Im Bereich Abwasser“, sagt Andreas Kruppert, „wird es nicht langweilig.“