Grüne erringen Etappensieg im Kreistag

Grüne erringen Etappensieg im Kreistag

Der Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm hat beschlossen, dass bei künftigen Sanierungen und Umbauten von kreiseigenen Schulgebäuden Standards zur Steigerung der Energieeffizienz gelten sollen.

Bitburg. Die Förderung der Bildung haben sich alle politischen Lager des Kreistags Bitburg-Prüm auf ihre Fahnen geschrieben. Allerdings nicht um jeden Preis, wie das Ringen der Fraktionen bei der Sitzung des Kreistags deutlich machte. Denn Schulen unter ökologischen Gesichtspunkten fit für die Zukunft zu machen, ist eine kostspielige Angelegenheit. Geld spielt aber vorerst einmal keine Rolle. Der beschlossene Standards-Katalog ist zwar ein Etappensieg für die Grünen, allerdings auch nur eine Absichtserklärung des Kreistags. Surft der Eifelkreis nun auf der grünen Welle oder ist der Beschluss lediglich ein hehrer Vorsatz?

Der Beschluss der Kreistagsfraktionen legt Standards fest, die bei künftigen Sanierungen der kreiseigenen Schulen als Grundlage dienen. Auf Antrag der Grünen hatte sich im Vorfeld der Sitzung ein Arbeitskreis mit der Ausarbeitung von Richtlinien beschäftigt, die bei Umbauten und Sanierungen von Schulen im Besitz des Eifelkreises künftig umgesetzt werden sollen. Das Konzept sieht unter anderem folgende bauliche Standards vor:

Wärmedämmung: Einführung eines "Drei-Liter-Standards", um mit wirksameren Dämmungen der Gebäudehülle Energiekosten einzusparen.

Heizung: Umrüstung auf effizientere Heizungsanlagen beziehungsweise Investition in regenerative Heizungssysteme.

Lüftung: Ausstattung der Klassenräume mit Lüftungsanlagen, um Wärmeverlust durch Lüften mit offenen Fenstern zu verhindern.

Photovoltaik: Ausstattung möglichst aller Schulen mit Photovoltaikanlagen zur Energiegewinnung, vorzugsweise in kommunalem Eigenbetrieb.

Gebäudekataster: Erstellung von Katastern, um detaillierte Ausstattungsmerkmale der Gebäude für künftige Optimierungen zu erhalten.

Ökostrom: Für die Energieversorgung soll der Kreis den Strom von Ökostromanbietern einkaufen, der mitunter günstiger zu beziehen sei als Strom aus fossilen Energiequellen.

Kritik zu den Ergebnissen des Arbeitskreises kam vor allem aus den Reihen der FDP: Marie-Luise Niewodniczanska hielt einige der Punkte des Konzepts nicht für sinnvoll. Lüftungsanlagen seien teuer und nur von kurzer Lebensdauer. Ob denn Schülern heutzutage das Lüften mit offenen Fenstern nicht mehr zuzumuten sei, fragte sie in die Runde. Auch sei Ökostrom auf keinen Fall günstiger als aus herkömmlichen Energiequellen. Und: "Photovoltaik anlagen führen zu einer Kapitalvernichtung. Das ist nicht das Richtige", sagte Niewodniczanska.

Auch die SPD hegte Zweifel am Sinn mancher Standards. Dogan Erdal kritisierte ebenfalls die Installierung von Lüftungsanlagen in Klassenräumen. Fenster auf und Luft rein sei einfach und praktikabel. Da müssten keine teuren Lüftungsanlagen her. Derartige Anschaffungen sollten der Sinnhaftigkeit unterstehen. "Nicht die Wirtschaftlichkeit entscheidet über die Machbarkeit, sondern ob die Standards sinnvoll sind oder nicht", sagte Erdal. Helmut Fink (Bündnis 90/Grüne) konnte die Aufregung nicht verstehen: "Wir müssen Gebäude, die wir weiterhin auf 30 Jahre nutzen wollen, vernünftig sanieren und nicht auf einen Dinosaurierstand bringen", sagte Fink.

Rainer Hoffmann (SPD) versuchte die Wogen zu glätten. "Hier brennt doch mit einem Beschluss nichts an. Über alles, was Kosten verursacht, reden wir sowieso noch einmal", sagte Hoffmann. Ein Ja für den Antrag kam von der CDU. Willi Hermes: "Wir sind absolut für diese Standards, wenn sie unter wirtschaftlichen Bedingungen umgesetzt werden. Wirtschaftliche Aspekte sollten dabei höchste Priorität haben."

Rudolf Rinnen (FWG) mahnte, das Konzept nicht zu kippen. "Wir müssen jetzt entscheiden, ob der Kreis eine Richtung in der Sache einschlägt oder nicht."

Konkrete Zahlen, ob die ökologischen Standards zu höheren Sanierungskosten führen, existieren beim Kreis noch nicht. Erste Gebäude, bei denen die definierten ökologischen Richtlinien umgesetzt werden sollen, sind die ehemalige Otto-Hahn-Realschule in Bitburg sowie die Grund- und Realschule plus in Neuerburg.

Meinung

Wünsch dir was!

Die Grünen haben ihre Wunschliste bekommen. Das ist eine gewonnene Runde beim Ringen um die grüne Schule. Alle Fraktionen des Kreistags haben sich mit dem Beschluss ein hohes Ziel gesteckt, künftig die Schulen des Kreises nach ökologischen Maximen sanieren zu lassen. Nur, wünschen kann man sich vieles. Ob der grüne Traum in Erfüllung geht, hängt wie so häufig nicht vom guten Willen, sondern von der puren Not ab. Welchen Stellenwert besitzt eine derart vollmundige Absichtserklärung, wenn es dann ans Eingemachte geht? Spätestens wenn der Grünen-Traum mit der Realität von leeren Kreiskassen konfrontiert wird, müssen die Parteien beweisen, was ihnen der gute Vorsatz wirklich wert war. d.zapp@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund