Günter Grass beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm

Günter Grass beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm

Rauschender Empfang, beseelter Vortrag: Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat am Donnerstag in der Prümer Realschulhalle vor ausverkauftem Haus gelesen, aus seinem jüngsten Buch „Grimms Wörter“.

(fpl) Für Josef Zierden, Chef des Eifel-Literatur-Festivals, und für die 700 Zuhörer wurde damit ein Märchen wahr. Am Ende der Lesung aus "Grimms Wörter" applaudierte das Publikum stehend - um kurz darauf die größte Signier-Schlange zu bilden, die die Eifel je nach einer Lesung gesehen hat.

Im Interview mit dem Trierischen Volksfreund zeigte Grass, dass er nichts von seinem demokratischen Kampfeswillen verloren hat: Zum Begriff "Arschkriecher", der in seinem jüngsten Buch vorkommt, fiel ihm der versammelte Bundestag ein: Als dort Papst Benedikt XVI gesprochen habe und sinngemäß sagte, dass Mehrheitsbeschlüsse für ihn im Grunde nicht bindend seien, sei das "ein Affront dem Parlament gegenüber" gewesen. "Und diese Arschkriecher im Parlament haben nicht gepfiffen und haben nicht gesagt: Was meinen Sie denn damit?"

Ob "Grimms Wörter" wirklich sein letztes Buch sei, ließ er offen. Möglicherweise werde er sich noch einmal mit Gedichten befassen: "Denn das ist der Ursprung meines Schreibens, so habe ich angefangen, und für mich ist das Lyrikschreiben nach wie vor das genaueste Mittel, mich nach einer gewissen Zeit neu zu vermessen, zu befragen. Und vielleicht wird sogar ein Buch oder ein Büchlein daraus."

Günter Grass, geboren am 16. Oktober 1927 in Danzig, war der letzte Literatur-Nobelpreisträger des vergangenen Jahrhunderts: Der Autor, so schrieb die Jury in der Begründung für die Preisvergabe 1999, habe der deutschen Literatur nach "Jahrzehnten sprachlicher und moralischer Zerstörung" einen Neuanfang ermöglicht. Nach Herta Müller im Jahr 2010 ist er der zweite Nobelpreisträger, der beim Eifel-Literatur-Festival las. fpl