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"Gut Pfad" und "Allzeit bereit"

"Gut Pfad" und "Allzeit bereit"

MAUEL. In Mauel schlug über die Pfingsttage die Europäische Pfadfinderschaft Sankt Georg (EPG) ihre Zelte auf. Drei Tage erlebten die jungen Pfadfinder Lagerfeuerromantik und bekannten sich zu ritterlichen Tugenden.

Bis zu neun Personen gehen in eines der kleineren schwarzen Zelte, die unter den Pfadfindern Kothe genannt werden. Die Kothe stammen aus Lappland, von wo sie der erste aller Pfadfinder, Lord Robert Baden-Powell, vor mehr als hundert Jahren mitgebracht haben soll. Die Kothe gruppieren sich um die größeren Versammlungszelte eines Stammes, so genannte Jurten. In der Mitte des Zeltlagers: ein Lagerfeuer und der große Bannermast, an dem die Fahnen mit Georgs-Kreuz und Lilie im Wind wehen. Mehr als 350 Pfadfinder der Europäischen Pfadfinderschaft St. Georg (EPG) haben auf dem Zeltplatz Mauel über die Pfingsttage ihr Lager aufgeschlagen. Die neun "Pfadfinder-Stämme" kommen unter anderem aus Speicher, Gerolstein und Mönchengladbach. Ältester Pfadfinder ist 68 Jahre alt

Der dienstälteste Pfadfinder im Lager ist zugleich ihr Bundesmeister: Günther Alsbach aus Speicher ist von Jugend an dabei. "Durch die vielen Zeltlager bin ich jung geblieben", sagt der 68-jährige Drucker im Ruhestand von sich; unter den anderen Pfadfindern heißt es, der typische Pfadfinderhut sei ihm am Kopf festgewachsen. Bei Alsbach wird deutlich, dass es sich bei der Pfadfinderei nicht schlicht um Camping handelt. Vielmehr bedeutet das Pfadfindertum für Alsbach eine grundsätzliche Einstellung zum Leben und ist mit bestimmten Werten und Tugenden verbunden. Im "Pfadfindergesetz" heißt es dazu: "Auf die Ehre eines Pfadfinders kann man unerschütterlich bauen...", "...er ist Freund aller Menschen..." und "...schützt Pflanzen und Tiere...." Auch, dass der Pfadfinder jeden Tag eine gute Tat vollbringen soll, stimme, sagt Alsbach. "Dazu kann auch gehören, der Oma über die Straße zu helfen", meint er weiter und lacht. "Wenn man eine gute Tat zum Ziel hat, kommt man gar nicht erst dazu, schlechtes zu tun." Auf parteipolitische Neutralität dagegen legt man in der EPG besonderen Wert, schließlich sei die politische Meinungsbildung Aufgabe der Eltern. Beim Zeltlager in Mauel steht vor allem die Gemeinschaft im Vordergrund. Gemeinsam werden in der typischen Kluft mit Hemd und farbigem Halstuch Georgsläufe unternommen, wobei die jüngeren unter den Pfadfindern ("Bieber", "Wölflinge" und "Jungpfadfinder") bestimmte Aufgaben zu erfüllen haben. Nachtwanderungen und Gesangswettbewerbe gehören genauso zum Programm, wie kleinere Mutproben, die die Kinder zu bestehen haben. Am Abend ist das gemeinsame Sitzen am Lagerfeuer mit Gitarre und Gesangbuch beliebt: "Eine unbeschreibliche Stimmung", schwärmt Alsbach. Radios sind dagegen im Zeltlager verpönt und würden das Gemeinschafterlebnis bloß stören. Während des Zeltlagers legten außerdem einige Wölflinge das Pfadfinderversprechen ab und bekannten sich damit zu den in der Satzung festgeschriebenen ritterlichen Werten. "Für die Kinder sind die Zeltlager ein Erlebnis. Sie können dabei ihren Alltag ein wenig vergessen."