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Gymnasium Speicher: Drei Fluchtwege für 29 Kinder

Bildung : Gymnasium Speicher: Drei Fluchtwege für 29 Kinder

Die Genossenschaft, die das Speicherer Gymnasium betreibt, steht wegen des Brandschutzes vor finanziellen Herausforderungen. Der Vorsitzende sagt: Der Kreis habe jahrelang nicht in das Gebäude investiert.

Für Alwin Ersfeld läuft derzeit fast alles rund. Jede Woche erhält der Vorsitzende der Speicherer Genossenschaft E-Mails von Lehrern, die am neuen Gymnasium arbeiten wollen. 31 Anmeldungen hat der Unternehmer für das nächste Schuljahr auf dem Tisch. Und der erste Jahrgang, 29 Jungs und Mädchen, fühle sich sehr wohl. „Der Betrieb geht problemlos über die Bühne. Wir sind sehr zufrieden“, sagt Ersfeld. Die Renovierung der Schulgebäude schreitet voran. Und finanziell entwickelte sich alles nach Plan. Bis der Speicherer Post vom Bauamt der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm bekam.

Seitdem weiß er, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. So schnell es geht, sollen die Genossen den derzeit genutzten Schultrakt auf den neuesten Stand des Brandschutzes bringen. Insgesamt macht Ersfeld keinen Hehl daraus, dass er die Auflagen für überzogen hält: „Wir haben 29 Kinder. Die sind in einer halben Minute aus dem Gebäude. Warum wir da drei Fluchtwege brauchen, erschließt sich mir nicht.“

Laut eines Gutachtens braucht das Gebäude zwei Außentreppen aus Metall sowie neue Fenster und Türen. Außerdem müssen die Speicherer einen sogenannten Brandvorhang auftreiben. Im Falle eines Feuers würde diese Metallkonstruktion auf das Treppenhaus herunterfallen und es verschließen. Denn der schmale Aufstieg werde aktuellen Auflagen nicht mehr gerecht, sagt Ersfeld. Das heißt die Genossen könnten sich entweder einen Vorhang anschaffen, oder die Treppe abreißen. Die Betreiber des Gymnasiums entschieden sich für den Vorhang, auch wenn der einiges mehr kostet. Zusammen mit den Türen und den Fenstern sowie den Außentreppen rechnet Ersfeld mit Kosten von 120 000 Euro. Und die bringen das Budget der Genossen durcheinander.

Das ist auch der Grund, warum Ersfeld beim Kreis und bei der Verbandsgemeinde (VG) Speicher um einen Zuschuss gebeten hat. Auch bei der Stadt Speicher werde er noch anfragen, sagt er: „Aber ich wollte nicht an allen Türen gleichzeitig klopfen.“ Bislang habe es geklappt, die Fixkosten für Personal, Renovierungen und Organisation aus Krediten, Spenden, Zuwendungen von Stiftungen und dem Beitrag der Eltern zu zahlen. Vom Land gibt es für die Schule kein Geld, solange sie nicht von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion anerkannt ist. Und das passiert in der Regel erst nach drei Jahren. Solange ist der Träger also auf sich allein gestellt – auch was den Brandschutz angeht. Bis 2023 kommen auf die Genossen nochmal Kosten von 1,3 Millionen Euro zu.

„Wir können die finanziellen Herausforderungen stemmen, sonst würden wir gar nicht weitermachen“, meint Ersfeld. Der Speicherer SPD-Chef Oswald Krummeich ist skeptisch. Seine Fraktion schlägt dem VG-Rat daher vor, der Genossenschaft das Geld für drei Jahre zu leihen statt es ihnen zu schenken. Doch der Vorschlag wird, auch auf Anraten von Bürgermeister Manfred Rodens (CDU) abgeschmettert: „Die neue Schule macht die ganze Verbandsgemeinde attraktiver, nicht nur Speicher. Wir sollten sie unterstützen.“ Diesem Argument folgt der Rat. Alle außer den Sozialdemokraten stimmen dafür, das Projekt mit 30 000 Euro zu fördern.

Der Kreisausschuss hatte vor einigen Wochen anders entschieden. Statt eines Zuschusses gewährte das Gremium den Genossen ein zinsloses Darlehen von 18 800 Euro. Dafür müssen die Betreiber eine Bürgschaft hinterlegen, also einen Teil des Geldes vorlegen. „Ich habe mal gefragt, wie hoch die Bürgschaft sein soll, aber noch keine Antwort erhalten“, sagt Ersfeld: „Insgesamt hilft uns das aber.“

Lieber als Geld hätte er aber gehabt, wenn der Kreis ihm das Schulgebäude in besserem Zustand überlassen hätte. Immerhin war die Behörde der Träger der Realschule, die zuvor in der Immobilie  untergebracht war. Außerdem habe er den Kreis mehrfach um Aufschub der Arbeiten gebeten, sei damit aber gescheitert. Dafür gibt es auch im Verbandsgemeinderat Speicher wenig Verständnis. „Der Kreis schreibt uns Maßnahmen vor, die er selbst jahrelang verschleppt hat. Das kann ich rechtlich verstehen, aber menschlich nicht“, meint Peter Reichert (FDP). Sozialdemokrat Krummeich gibt ihm Recht: „Der Landrat war damals sicher froh, dass er diese Immobilie an die Genossenschaft abgeben konnte, bevor es damit Probleme gab.“