Haben die Streetworker eine Zukunft? Modellprojekt des Eifelkreises läuft bis 2017

Haben die Streetworker eine Zukunft? Modellprojekt des Eifelkreises läuft bis 2017

Die Junge Union Südeifel fordert die Einstellung eines hauptamtlichen Jugendpflegers für die Verbandsgemeinde (VG) Südeifel. Zurzeit gibt es zwei Fachkräfte, die die Verbandsgemeinden Arzfeld und Südeifel betreuen. Doch das Modellprojekt, finanziert vom Eifelkreis Bitburg-Prüm, läuft 2017 aus.

Irrel/Arzfeld. Die Jugendarbeit auf dem Land ist seit Jahrzehnten immer wieder politisches Diskussionsthema. Während Bitburg und Prüm je eine feste Anlaufstelle für Jugendliche haben, sind die Dörfer auf mobile Betreuer angewiesen - so es sie denn gibt."Keine Experimente"


Um die Jugendlichen im Eifelkreis kümmerten sich in den vergangenen 30 Jahren vor allem die Vereine und ehrenamtliche Betreuer. Nun hat der Kreis ein neues Projekt initiiert. So werden bis Ende 2017 in den beiden Verbandsgemeinden Südeifel und Arzfeld modellhaft Jugendsozialarbeit und Jugendarbeit verknüpft angeboten (siehe Extra).

Christian Mörsdorf, Vorsitzender der Jungen Union (JU) Südeifel, ist nicht zufrieden mit der Situation. "Der Eifelkreis behandelt die Jugendarbeit, gerade in den ländlichen Gebieten, seit Jahren stiefmütterlich", behauptet er. Während in den Städten Prüm und Bitburg Jugendhäuser mit hauptamtlichen Angestellten etabliert sind, würden die ländlichen Gebiete im Regen stehen gelassen. "Dass überhaupt noch etwas läuft, ist unseren hervorragend arbeitenden Ehrenamtlichen zu verdanken", sagt Mörsdorf.
Die JU Südeifel fordert deshalb, einen eigenen Jugendpfleger (Vollzeit und unbefristet) für die VG Südeifel. "Jugendarbeit muss einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen und darf nicht als Stückwerk betrieben werden", heißt es in dem Antrag. "An Kindern und Jugendlichen darf nicht herumexperimentiert werden."

Robert Steimetz, Parteivorsitzender der CDU Südeifel, will den Antrag der JU unterstützen. Im Gemeindeverbandsvorstand habe man schon darüber gesprochen. "Der CDU-Gemeindeverband ist durchaus der Meinung, dass man besser im Vorfeld handelt, als im Nachhinein Geld auszugeben. Prävention ist sinnvoller, als die Folgen kurieren zu müssen", sagt er. Allein von der Fläche her und der täglich zu absolvierenden Kilometerleistung benötige die VG Südeifel einen eigenen Jugendpfleger.

Erich Theis, Vorsitzender des Fördervereins Pfadfinder Bollendorf und Leiter des Jugendzentrums Zak in Bollendorf, war selbst zehn Jahre lang ehrenamtlicher Jugendpfleger für die ehemalige VG Irrel. Seiner Meinung nach findet zurzeit keine koordinierte Jugendarbeit statt. "Wir brauchen dringend einen Kümmerer - einer, der geeignete Leute für die Jugendarbeit anspricht und ausbildet", sagt er. Die Hälfte der Jugendlichen sei bei Vereinen aktiv. "Um den Rest kümmert sich niemand."

Und was sagt Moritz Petry, Bürgermeister der VG Südeifel, dazu? "Der Antrag ist prinzipiell gut, wenn so eine Stelle finanzierbar ist." Man müsse jedoch genau hinterfragen, was der Jugendpfleger überhaupt leisten soll und kann, damit sich wirklich etwas verbessert. "Ich bin absolut für Jugendarbeit - ich weiß aber nicht, ob das im ländlichen Raum so gelingt, wie man sich das vorstellt." Sollte der Kreis die Stelle nicht finanzieren, müsste die VG Südeifel die Kosten per Kredit abdecken. "Können wir mit so einer Stelle Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten würden, in die richtigen Bahnen lenken?", gibt Petry zu bedenken.Streetworker von Caritas gestellt


Um diese Fragen zu klären, habe der Jugendhilfeausschuss des Kreises entschieden, das Projekt um ein weiteres Jahr zu verlängern, sagt Andrea Ennen, stellvertretende Direktorin des Caritasverbands Westeifel. Die sogenannten Streetworker werden vom Caritasverband gestellt. Da die Stelleninhaberin gekündigt hatte, gab es in der VG Südeifel eine Vakanz, die aber seit August mit Holger Stodulka neu besetzt wurde. "Die Modellphase ist wichtig, um Erfahrungen zu sammeln. Am Ende soll dann entschieden werden, ob es gelungen ist, Strukturen zu schaffen, die auch auf andere Verbandsgemeinden übertragbar sind", erklärt Andrea Ennen. Den Antrag der JU hält sie deshalb für verfrüht. "Aus meiner Sicht ist es kein Experimentieren an Jugendlichen, sondern es geht darum, zukunftsstarke Unterstützung aufzubauen und rauszufinden, wie Jugendarbeit heute aussehen sollte."
So sehen es auch Michael Billen, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, und Josef Winandy, Leiter des Jugendamts. "Wenn sich das Projekt bewährt, soll es auf alle Verbandsgemeinden ausgeweitet werden", sagt Billen. Deshalb werde es auch intensiv begleitet, sagt Winandy. Unter anderem durch das Institut für sozialpädagogische Forschung aus Mainz.Kostenpunkt: 135 000 Euro


Für die beiden Streetworker gibt es viel zu tun: 43 Gemeinden hat die VG Arzfeld, 66 die VG Südeifel. "Die werden keine Jugendgruppe führen und können auch nicht jeden Tag in jeder Gemeinde sein", stellt Billen klar. "Die Leute denken, wir setzen da einen hin und der erzieht dann die Kinder." Doch in erster Linie solle der Sozialarbeiter vor allem Ansprechpartner sein, die Bürgermeister motivieren und bei Problemen helfen. "Wir müssen natürlich auch Leute haben, die was schaffen - die Rädchen sollen ineinandergreifen."
Den Kreis kosten die zwei Stellen 135 000 Euro. "Wir experimentieren nicht mit Jugendlichen. Wir suchen den besten Weg, um die Chancen von Jugendlichen zu verbessern", sagt Billen. "Wir müssen die Jugendarbeit auf saubere Füße stellen, damit sie nachhaltig bestehen bleibt", ergänzt Winandy. Meinung

Erst mal machen lassen
Jugendarbeit ist eine wichtige Sache. Da wird keiner etwas anderes behaupten. Doch sie muss auch passen. In Städten hat eine zentrale Anlaufstelle Sinn, aber auf dem Land ist das schwieriger. Jugendräume funktionieren nur bedingt, in Zeiten des demografischen Wandels fehlt oft schon das Publikum dafür. Eine neue Art der Jugendarbeit muss her. Sich darum zu kümmern wird die Aufgabe der neuen Streetworker sein. Man darf gespannt auf ihre Erfahrungen sein, die sie bis Ende 2017 sammeln werden. Die Zeit sollte man allen Beteiligten zugestehen, damit danach eine Entscheidung im Sinne der Jugendlichen getroffen werden kann. Sich zukünftig nur auf die Ehrenamtlichen zu verlassen, kann jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss sein. s.glandien@volksfreund.de