Habicht soll Vögel aus dem Waisenhauspark vertreiben

Habicht soll Vögel aus dem Waisenhauspark vertreiben

Alle Jahre wieder kehren die Saatkrähen zum Bitburger Waisenhauspark zurück, um dort die nächste Generation auszubrüten. Diesmal stört sie dabei jedoch ein Habicht. Er und sein Besitzer wurden von der Stadt engagiert, um die Krähen am Nestbau zu hindern.

Bitburg. Der Wagen ist unscheinbar, doch er flößt Respekt ein. "Sobald sie mein Auto sehen, fliegen sie weg", sagt Jens Fleer. Wobei es nicht das Auto ist, das die Saatkrähen fürchten. Es ist vielmehr der Gast im Kofferraum. Dieser heißt Justus, ist drei Jahre alt und ein Habicht. Seit gut zwei Wochen besuchen der Falkner und sein Habicht zweimal pro Tag den Waisenhauspark. Ob die rund 300 Krähen wissen, dass Justus gezielt darauf angesetzt wurde, ihnen das Leben schwer zu machen, ist fraglich. Doch dass hinter Justus\' regelmäßiger Anwesenheit ein System steckt, dürfte ihnen so langsam dämmern. Denn Krähen sind sehr schlaue Tiere. Sie sind auch schlauer als Habichte, was letztere allerdings nicht daran hindert, erstere zu jagen und zu fressen. Kurzum: Der Habicht ist der natürliche Feind der Krähen, weshalb diese auch das Weite suchen, sobald der Greifvogel und sein Besitzer im Park auftauchen.
Prozedur wird wiederholt


Genau wie an diesem nasskalten Montagmorgen. Noch ist Justus mit einem Seil am Handschuh des Falkners befestigt, aber gleich darf er fliegen. Zuvor wird ihm allerdings noch ein Peilsender im Federkleid befestigt. "Für den Fall, dass er mir wegfliegt", sagt der Falkner. Doch Justus haut nicht ab. Er startet, fliegt auf einen Baum, und als sein Herr nach ihm ruft und ihn mit dem an einem am Strick befestigten Federknäuel lockt, kommt er wieder zurück.
Dass Justus für diesen Treuebeweis mit frischem Kükenfleisch belohnt wird, bekommen die Saatkrähen nicht mit. Sie haben einen Abflug gemacht, kommen aber wenig später wieder zurück. Also wird die Prozedur wiederholt: Justus startet, und die Krähen verschwinden. Und dann noch einmal. Eine gute halbe Stunde später ist der Luftraum über dem Park so gut wie leer. Den Krähen ist vorerst die Lust am Nestbau in den Bäumen des Waisenhausparks vergangen. Und Justus ist satt.
"Die Krähen sind ja eigentlich sehr standorttreu", sagt Fleer, "doch wird es für sie hier langsam eng." Sie müssen sich also woanders einen Nistplatz suchen. "Das Problem wird damit im Prinzip verlagert", räumt der Falkner ein, doch sei die Situation im Waisenhauspark besonders verschärft, weil die Krähen die Außenanlage des benachbarten Kindergartens zukoteten.
Ob sich die Rabenvögel von Justus langfristig vertreiben lassen, muss sich zeigen. Fleer und sein Habicht jedenfalls wollen noch bis Ende März täglich vorbeischauen, um die Vögel aufzuscheuchen.
Video ab 14 Uhr unter volksfreund.de/video
Extra

Da Saatkrähen als geschützte Vogelart gelten, ist es verboten, die Vögel zu töten, zu fangen, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entfernen oder die Tiere während der Brut und Jungenaufzucht zu stören. Vergrämungsaktionen im Vorfeld der Brut sind aber erlaubt. So hatte die Stadt im vergangenen Jahr versucht, die Vögel mit Krähenklatschen zu vertreiben. Die Klatschen, die aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander. Die Aktion war aber nicht erfolgreich. Deshalb hat die Naturschutzbehörde der Stadt den Einsatz eines Falkners genehmigt.uhe

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