Händler gegen Parkplatzabbau an der Post
Bitburg · Der Bitburger Gewerbeverein macht gegen die Entscheidung von Stadtrat und Bauausschuss mobil, bei der Neugestaltung des Postplatzes auf 40 öffentliche Stellplätze zu verzichten. Der Verein will im Stadtmarketing Lösungsmöglichkeiten diskutieren.
Bitburg. Der Beschluss, den Stadtrat und Bauausschuss vergangene Woche in nichtöffentlicher Sitzung gefasst haben, sorgt für Wirbel. Demnach soll bei der geplanten Neugestaltung des Postplatzes nun auf die bis dahin immer geforderte Errichtung von 40 öffentlichen Stellplätzen verzichtet werden (der TV berichtete). Die Investoren-Architekten-Teams, die sich um den Zuschlag für die Neugestaltung des Innenstadtplatzes bewerben, sind nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht bereit, die öffentliche Stellplätze zu bauen. Für die Stadt selbst wäre der Betrieb einer Tiefgarage ähnlich defizitär wie die drei Parkhäuser (siehe Extra), die jährlich Verluste von zusammen knapp 300 000 Euro bescheren.
"Bevor man beschließt, die Parkplätze zu streichen, hätte man mit den Gewerbetreibenden über eine Lösungsmöglichkeit sprechen sollen", sagt Hans-Joachim Kurth, zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins. Er könnte sich etwa ein Finanzierungsmodell vorstellen, an dem sich die Händler beteiligen. Eine Idee, die bei einigen Geschäftsleuten Anklang findet (siehe Umfrage). Die mehr als 500 Stellplätze, die mit der Bit-Galerie entstehen sollen, sind für Kurth keine Alternative: "Obgleich wir grundsätzlich die Pläne für die Bit-Galerie begrüßen, ist derzeit noch nicht sicher, ob sie realisiert wird. Dahingegen ist zu erwarten, dass der Postneubau 2013 bezogen wird und ein wesentlicher Magnet für die Innenstadt sein wird."
Was den Gewerbeverein zudem wundert, ist die Vorgehensweise: "In allen öffentlichen Veranstaltungen wie auch dem Gestaltungsausschuss, in dem Vertreter des Gewerbevereins anwesend waren, wurde immer wieder betont, dass die vorhandenen Stellplätze bei der Neubebauung des Postplatzes unbedingt neu zu schaffen sind, und dann lässt man das fallen, ohne uns zu informieren oder mit uns zu sprechen", kritisiert Kurth. Er will sich nun dafür einsetzen, dass das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Stadtmarketing am 15. November kommt: "Dann erwarte ich eine Stellungnahme der Verwaltung und eine Diskussion über Alternativen." Die Tagesordnung wird nach Auskunft von Stadtpressesprecher Werner Krämer nächste Woche festgezurrt.Umfrage
Peter Schiwek (53), Buchhandlung Schiwek: "Das ist eine Katastrophe. Öffentliche Parkplätze am Postplatz sind wichtig für die Erreichbarkeit der Geschäfte in der Fußgängerzone. Die Stadt betont doch immer wieder, dass sie den Handel in der Fußgängerzone fördern will. Da ist es natürlich kontraproduktiv, 40 öffentliche Stellplätze zu streichen. Die Bit-Galerie, wenn sie denn kommt, ist für mich auch keine Alternative, da dort ja keine öffentlichen Parkplätze entstehen."
Lars Messerich (32), Modehaus Messerich: "Natürlich finden wir innenstadtnahe Parkplätze wichtig. Es wäre gut, wenn es für die am Postplatz vorhandenen öffentlichen Stellplätze bei der Neubebauung einen Ersatz gäbe. Wenn man wüsste, dass die Bit-Galerie kommt, wäre das ein anderes Thema. Aber selbst dann sind die Parkplätze am Postplatz einfach zentraler. Über ein Finanzierungsmodell für eine Tiefgarage, an dem sich Innenstadthändler beteiligen, könnte man sprechen."
Bernd Pütz (57), Reisebüro Pütz: "Wir sind natürlich auf öffentliche Parkplätze am Postplatz angewiesen. Das ist eine Katastrophe, wenn die wegfallen. Wenn Kunden nur mal schnell was abholen möchten, wie bei uns etwa eine Zugfahrkarte, dafür fährt doch keiner in ein Parkhaus rein. Eine Finanzierungsgemeinschaft könnte ich mir möglicherweise vorstellen. Das wäre zumindest einen Gedanke wert gewesen. So wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt."
Karl Braun (56), Schuhhaus Braun: "Die 40 öffentlichen Parkplätze sind für die Geschäfte in der Fußgängerzone sehr wichtig. Viele unserer Kunden parken dort - besonders ältere Herrschaften, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Ohne öffentliche Parkplätze an der Fußgängerzone drängt man Kunden in die Randbezirke ab. Das war ja auch eines der Ausschreibungskriterien. Ich finde es nicht gut, dass wir nicht an solchen Entscheidungen beteiligt werden." (scho)/TV-Fotos: Dagmar SchommerExtra
In Bitburgs Kernstadt gibt es 386 öffentliche Parkplätze in drei Parkhäusern: Annenhof (184), Neuerburger Straße (96) und Tiefgarage am ZOB (106). Hinzu kommen weitere 1133 öffentliche Parkplätze, davon sind 731 gebührenfrei. Das Gros der gebührenfreien Parkplätze findet sich am und um den Beda-Platz (372). Die meisten gebührenpflichtigen Parkplätze sind am Alten Gymnasium (217).