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Härtefallkommission verhindert die Abschiebung einer Roma-Familie aus dem Kosovo, die seit Ende 2014 in der Eifel lebt

Härtefallkommission verhindert die Abschiebung einer Roma-Familie aus dem Kosovo, die seit Ende 2014 in der Eifel lebt

Eine Mutter und ihre beiden Töchter atmen auf. Die Härtefallkommission verhindert die Abschiebung einer Roma-Familie aus dem Kosovo, die seit Ende 2014 in der Eifel lebt. Schmerzhaft dennoch: Der Vater ist im Mai gestorben. Der Mann hatte anderen Flüchtlingen bei der Integration geholfen. Nun hilft das ganze Dorf der Familie.

Ramija Caca öffnet die Tür. Sie lächelt, freut sich über den Besuch. Sie war gerade dabei, die Gardinen abzuhängen, um sie zu waschen. Doch das kann jetzt warten. Sie verschwindet in der Küche, kommt mit Tee und Gebäck zurück.

Vor wenigen Tagen hat Ramija Caca Post bekommen. Aus Mainz. Die Härtefallkommission des Landes hat darüber beraten, ob die aus dem Kosovo stammende Roma und ihre beiden kleinen Töchter in Deutschland bleiben dürfen oder aber abgeschoben werden müssen (der TV berichtete). Nun wurde ihr mitgeteilt, dass sie bleiben dürfen. Ein guter Tag. Aber auch eine Nachricht, die die Mutter zweier Töchter mit gemischten Gefühlen aufnimmt.

Ramija Caca hat aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit Roma in ihrer Heimat viele traumatische Dinge erlebt, unter denen die Frau noch heute leidet. Sie hat Panikattacken. Ihre Tochter wurde in ihrem Heimatland von Lehrern wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit misshandelt. Heute geht das Kind in Rittersdorf zur Schule. Eine andere Welt. Sie könnten sich von ganzem Herzen freuen, jetzt, wo ihre Zukunft gesichert ist. Doch ein Schmerz bleibt.

Denn das, was im Mai 2016 in Deutschland passierte, reißt der Frau von einem Moment auf den anderen den Boden unter den Füßen weg. Ihr 46-jähriger Mann Mustafa stirbt völlig unerwartet bei einem Freundschaftsspiel seines Fußballvereins.

Für die ohnehin psychisch und auch körperlich stark angeschlagene Frau bricht eine Welt zusammen. Sie spricht kaum ein Wort Deutsch. Ihr Mann hatte sich bis dahin immer um alles gekümmert. Eine Situation, die die Mutter vor eine Herausforderung stellt. Wie soll es jetzt weitergehen? Eine schwierige Situation, doch die junge Witwe und ihre Töchter sind nicht allein.

In Biersdorf, wo die Flüchtlingsfamilie seit Ende 2014 lebt, erfährt sie eine enorme Unterstützung. Bürger aus dem Ort und auch der Nachbargemeinde Wiersdorf helfen, wo sie nur können. Die engagierten Bürger besorgen Möbel, übernehmen Fahrten, helfen bei Einkäufen und Behördengängen und betreuen die beiden Töchter, wenn die Mutter arbeiten muss.

Karen Herrmann, die die Familie als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin betreut, hat der Mutter bei der Beantragung der Sozialleistungen geholfen. Ramija Caca hatte bis vor wenigen Wochen noch einen Job in einem Hotel, wurde aber nach der Probezeit nicht übernommen. "Wir müssen jetzt warten, bis der Hartz-IV-Antrag durch ist", erklärt Herrmann. Erst dann habe sie Anspruch auf einen Integrationskurs.

"Das Wichtigste ist, dass Ramija jetzt richtig Deutsch lernt, damit sie sich selbst um alles kümmern kann", sagt die Flüchtlingshelferin. Denn um wirklich dauerhaft in Deutschland bleiben zu können, müsse sie arbeiten und sich nachweislich um Integration bemühen.

Ramija Caca versteht nur Bruchstücke des Gesprächs, doch sie nickt zustimmend. Auch sie will Deutsch lernen. Ein wenig kann sie es schon. "Vielen Dank an alle in Biersdorf", sagt sie. "An alle in Deutschland."