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Hahnplatz-Debatte bewegt die Prümer

Hahnplatz-Debatte bewegt die Prümer

Die veränderte Verkehrsführung in der Prümer Innenstadt bewegt nach wie vor die Gemüter: 200 Bürger diskutierten mit der Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy und dem Städteplaner Klaus Zimmermann bei einem Bürgergespräch über ihre Erfahrungen. Viele sehen dabei den Testlauf durchaus kritisch.

Prüm. "Wir müssen reden": Unter dieses Motto hat Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy das Bürgergespräch zum Prümer Hahnplatz gestellt - und es wurde geredet. Gut, dass die Veranstaltung vom Haus des Gastes in die Verbandsgemeinde-Verwaltung verlegt wurde, denn das Haus am Hahnplatz wäre ob des riesigen Interesses aus allen Nähten geplatzt. 200 Prümer drängen sich schließlich in den Ratssaal, um zu hören, was die Stadtbürgermeisterin ihnen zu sagen hat - und um selbst ihre Meinung zu der neuen Verkehrsführung kundzutun. "Ich hatte das Interesse völlig unterschätzt", gesteht Weinandy zu Beginn.
Ihr Anliegen sei es, über einige Dinge zu informieren, damit die Diskussionen, die durch den Testlauf ausgelöst worden sind, auf den richtigen Grundlagen geführt werden können. "Jeder hat das Recht, eine Meinung zu haben und Gehör zu finden. Aber wir sollten trotzdem fair miteinander umgehen", sagt Weinandy.
Überall herrsche eine große Einigkeit darüber, dass der Hahnplatz neu gestaltet werden solle. Weil man aber bei der Finanzierung auf die Zuschüsse des Landes angewiesen sei, müsse man sich dabei mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion abstimmen. Denn das Geld gebe es nur, wenn bei der Neugestaltung auch eine städtebauliche Aufwertung des Platzes erfolge.
Weil der Hahnplatz aber nicht nur das Prümer Zentrum, sondern auch ein Verkehrsknotenpunkt ist, habe man sich im Stadtrat mit großer Mehrheit dafür entschieden, den Einbahnring auszuprobieren.
"Der Test ist für den Stadtrat eine Chance, eine Lösung zu finden", sagt Weinandy. Erst danach werde entschieden, wie es weitergeht. Für die Platzgestaltung schließlich werde es einen Wettbewerb geben. Das ist eine Lösung, die Städteplaner Klaus Zimmermann vom Bitburger Büro Isu ausdrücklich begrüßt. Denn auch bei einem Wettbewerb brauche man Vorgaben und nicht nur, "dass die Basilika stehen bleiben muss". Es sei sinnvoll, Dinge einmal auszuprobieren. Er habe sich noch keine Meinung gebildet.
Aber es werde sowohl mit als auch ohne Kreisverkehr eine Lösung geben. Dieser Test, sagt Weinandy, liefere der Stadt in den Gesprächen mit der ADD wichtige Argumente.
Geht es nach der Meinung einiger Prümer, ist das Ergebnis des Testlaufs schon jetzt klar: Die Einbahnregelung funktioniert nicht. "Ich halte den Versuch für gescheitert", sagt Ralf Mathey. "Die Lösung ist zu Stoßzeiten unpraktikabel." Ähnlich sieht es Dieter Pfingstmann: "Ich kann das Chaos jeden Tag sehen. Die Leute fragen mich zehnmal täglich, wer diesen Unsinn verzapft hat. Wir leben von unserem Umland, und die sagen jeden Tag: Macht diesem Unsinn ein Ende." Geschäftsmann und Stadtratsmitglied Norbert Baur (Prümer Bürgerbewegung) wird ebenfalls sehr deutlich: "Wir leiden unter dieser Verkehrsführung, und unsere Kunden sind nicht gewillt, das Chaos mitzumachen." Einer der großen Vorteile Prüms als Einkaufsstadt sei es immer gewesen, dass die Kunden bis vor das Geschäft fahren konnten, dies sei jetzt gefährdet. Daher sollte man den Test so schnell wie möglich abbrechen und stattdessen den Kreisverkehr auf dem Hahnplatz ausprobieren.
Doch es gibt auch Prümer, die sich für die aktuelle Variante aussprechen. "Die Autofahrer fangen so langsam an, sich daran zu gewöhnen", sagt Manfred Schmitz. Aber man dürfe eben nicht nur an die Autos denken, sondern es gehe auch darum, die Situation für die Fußgänger zu verbessern. Von daher sei der Einbahnring um die Basilika nur zu befürworten. Auch Wolfgang Heller will in einem Kreisverkehr nicht die allseligmachende Lösung sehen. "Der Kreisel wird das Problem in der Bahnhofstraße nicht lösen." Und genau dort lägen die Ursachen für die Staus in der Stadt. Karl-Heinz Thommes mahnt, bei der Neugestaltung auch an die Barrierefreiheit zu denken. "Hier wird bislang nur über die Autos gesprochen", kritisiert er. Für ältere Menschen oder Leute mit Kinderwagen sei es bislang eine Katastrophe. Wenn sich an dieser Situation etwas verbessere, sei es ihm egal, ob es einen Kreisverkehr oder einen Einbahnring gebe. Hermann Benger plädiert eindeutig für einen kleinen Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 20 bis 25 Metern auf dem Hahnplatz. "Das ist die sinnvollste Lösung." Dieser verhindere auch nicht, dass der Platz städtebaulich aufgewertet wird.
Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy will nun mit diesem Stimmungsbild aus der Stadt Gespräche mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier führen. Dabei will sie die Position der Behörde zu einem Kreisverkehr erfragen. Außerdem soll es darum gehen, ob überhaupt etwas an der Verkehrsführung geändert werden muss.
Meinung

Die schwierige Suche nach der Lösung
Der Hahnplatz ist das geschichtsträchtige Prümer Wohnzimmer, gleichzeitig ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und dementsprechend ein Thema, das vielen Bürgern sehr am Herzen liegt. So groß der Platz ist, so zahlreich sind auch die Blickwinkel, aus denen er betrachtet wird. Der eine schaut mit den Augen eines Geschäftsmanns, der möchte, dass die Kunden möglichst bequem und ohne Umwege bis direkt vor sein Geschäft fahren können. Jemand anderes hat den Blickwinkel einer Frau mit Kinderwagen, die jedes Mal ein Problem hat, wenn ihr jemand auf einem der schmalen Bürgersteige entgegenkommt. Wieder andere wünschen sich einfach einen Platz, auf dem man sich aufhalten möchte, auf dem Leben ist und der Raum für Veranstaltungen und kulturelles Leben bietet. Städteplaner und Stadtrat stehen dabei vor der schweren Aufgabe, die verschiedenen Fäden aufzugreifen und zusammenzuführen zu einer Lösung, die möglichst allen entgegenkommt. Das heißt aber genauso, dass alle im Gegenzug auch Abstriche machen müssen und eben nicht die 100-prozentig beste Lösung für sich allein reklamieren können. Wer sich für einen Kreisverkehr starkmacht, muss dabei auch sehen, dass dieser zwar weniger Umwege als ein Einbahnring verursacht, gleichzeitig aber die Möglichkeiten nimmt, Engstellen bei den Gehwegen zu beseitigen. Das mögen viele akzeptieren, weil es immer schon so war, eine optimale Lösung für Fußgänger und ältere Menschen ist es deshalb aber noch lange nicht. Bei der Suche nach einer Lösung wäre es hilfreich, wenn es eine detaillierte Planung für einen Kreisverkehr geben würde, damit deutlich wird, wie viel Platz wirklich geopfert werden müsste und welche gestalterischen Möglichkeiten verbleiben. Anhand dessen könnte man dann auch schauen, welche Verbesserungsmöglichkeiten der Kreisel für die verschiedenen Nutzer des Hahnplatzes eröffnet. Denn es muss klar sein, dass er nicht nur im Sinne der Autofahrer optimiert werden darf und alle anderen deshalb in die Röhre schauen müssen. c.brunker@volksfreund.de