Hand in Hand durch den Wald

Hand in Hand durch den Wald

Zum ersten Mal in Rheinland-Pfalz kooperiert Landesforsten bei der Stellenbesetzung mit Privaten: Ein Mitarbeiter der Eifel Wald und Holz Management GmbH, ein Tochterunternehmen des Waldbauvereins Bitburg, wird künftig bei der Betreuung des Privatwalds Südeifel Revierleiter Klaus Antony unterstützen.

Neuerburg/Bitburg. Dieses Pilotprojekt hat offenbar so viele Vorteile für alle Beteiligten, dass einzig die Frage bleibt, warum die Forstleute erst jetzt darauf gekommen sind. Was den Zeitpunkt angeht, ist es wie so oft: Es war die Not, die erfinderisch gemacht hat. Im Bezirk des Forstamts Neuerburg (siehe Extra), wo es zwei staatlich betreute Privatwaldreviere gibt, war eine Stelle vakant. Der Grund: Vom Revier Südeifel ist ein Mitarbeiter ins Forstamt Trier gewechselt. Das Problem: Es wurde kein geeigneter Nachfolger gefunden - obwohl die Stelle mehrfach ausgeschrieben worden war.
Ein Revier, 10 000 Waldbesitzer


Kommissarisch hat Klaus Antony das etwa 7000 Hektar große Privatwaldrevier (siehe Extra) alleine betreut. Als Übergangslösung war das kurzfristig möglich, es ist jedoch nicht als Dauerzustand geeignet. Was die Betreuung von Privatwald für die Forstleute aufwändig macht, ist die Vielzahl von Waldbesitzern, mit denen sie es dabei zu tun haben. Denn die einzelnen Parzellen sind nach vielen Erbfolgen vom Urgroßvater zur Enkelgeneration recht klein, im Schnitt etwa einen halben bis einen Hektar groß. Etwa 10 000 Waldbesitzer gibt es im Revier Südeifel. "Das ist auf Dauer alleine nicht zu machen", sagt Revierleiter Klaus Antony.
Zu den Aufgaben der Privatwaldrevierbetreuer gehört es, die Waldbesitzer zu beraten, wie sie die Bestände pflegen, aufforsten oder wo sie was ernten können. Genau diese Aufgabe übernimmt in einem der beiden Privatwaldreviere im Forstamtsbezirk Neuerburg als Unterstützung von Revierleiter Antony nun Holger von Elling, ein studierter Forstwissenschaftler und Mitarbeiter der Eifel Wald und Holz Management GmbH, die wiederum ein Tochterunternehmer des Waldbauvereins ist (siehe Extra).
Nach Angaben des Vorsitzenden des Waldbauvereins, Kurt Rings, und dem Leiter des Forstamts Neuerburg, Olaf Böhmer, ist das eine landesweit einmalige Sache, ein Pilotprojekt. "Das ist das erste Mal, dass in Rheinland-Pfalz ein Privater solche staatlichen Aufgaben übernimmt", sagt Böhmer. Für den Staatsbetrieb liegen die Vorteile auf der Hand: Dort kann man sich dank der Kooperation ein Gehalt sparen.
Doch auch für den Waldbauverein ist die Kooperation von Vorteil. "Wir sind damit näher an den Privatwaldbesitzern dran. Das ist schon ein direkter Gewinn für uns, auch wenn sich das nicht in Cent und Euro rechnen lässt", sagt Vorsitzender Rings und erklärt, dass die Eifel Wald und Holz Management GmbH ohnehin kein klassisches gewinnorientiert arbeitendes Unternehmen sei, sondern eher den Gedanken Hilfe zur Selbsthilfe für seine Mitglieder verfolge. Er rechnet damit, dass der Verein den neuen Service in etwa kostendeckend anbieten kann, da die Privatwaldbesitzer dafür - wie auch schon zuvor - bezahlen müssen. Nun fließt das Geld an den Waldbauverein statt wie zuvor ans Forstamt. "Teurer wird der Service für die Waldbesitzer nicht", verspricht Rings. Für den Waldbesitzer ändert sich also wegen der neuen Struktur nichts. Für den Waldbauverein aber ist es ein Schritt in ein neues Geschäftsfeld.
Der Waldbauverein Bitburg lädt alle Mitglieder und Interessierten am Dienstag, 25. Februar, ab 14 Uhr zu einer Versammlung in die Nimstalhalle nach Niederweis ein.
Extra

Das Forstamt Neuerburg umfasst das Gebiet der Verbandsgemeinden Neuerburg, Irrel sowie große Teile der VG Arzfeld und einen kleinen Zipfel von Bitburg-Land. Dieses sehr waldreiche Gebiet misst insgesamt rund 55 000 Hektar und davon ist mit 21 000 Hektar fast die Hälfte Forst. Dabei wiederum ist der Anteil des Privatwalds mit gut 14 000 Hektar recht hoch. Zum Vergleich: Im Bezirk des Forstamts Bitburg gibt es nur 5000 Hektar Privatwald. Der Neuerburger Privatwald ist in zwei etwa gleich große Reviere von je rund 7000 Hektar aufgeteilt. Der Waldbauverein Bitburg ist ein Zusammenschluss privater Waldbesitzer im Altkreis Bitburg. Vorsitzender ist Kurt Rings. Der Verein hat etwa 1800 Mitglieder und wurde 1951 gegründet, um Privatwaldbesitzern mit Rat und Tat bei Fragen nach Aufforstung, Pflegemaßnahmen und Einschlag zur Seite zu stehen. Die Eifel Wald und Holz Management GmbH (EWH) ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Waldbauvereins, das 2007 als Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz gegründet wurde und den Holzverkauf der Privatwaldbesitzer organisiert. Geschäftsführer ist Elmar Franzen. Die EWH vermarktet mehr als 50 000 Festmeter Holz im Jahr. Nun unterstützt EWH-Mitarbeiter Holger von Elling die Arbeit im Privatwaldrevier Südeifel des Forstamts Neuerburg. scho

Mehr von Volksfreund