Harmonie wie fast noch nie

Harmonie wie fast noch nie

Große und ziemlich harmonische Runde: Fast 150 Prümer Bürger haben am Mittwoch mit Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy und Architekt Maik Böhmer über dessen Plan zur Erneuerung des Hahnplatzes gesprochen.

Prüm. So viele Abteistädter wie am Mittwoch sieht man selten bei einem Bürgergespräch: 150 Stühle sind im Ratssaal aufgestellt, nur wenige bleiben frei. Aber es geht ja auch um den Hahnplatz. Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy hatte eingeladen, flankiert wird sie von Marcus Hille, dem Organisator des Architektenwettbewerbs um die Neugestaltung - und von Maik Böhmer, der als klarer Sieger daraus hervorgegangen war (der TV berichtete).
Hille sagt, warum sich die Jury so einig war: "Herr Böhmer hat genau den Nerv getroffen." Denn das Ziel sei gewesen, dass "ein Ort entsteht, der einzigartig ist - angemessen für eine so schöne Stadt wie Prüm".
Wie sich Böhmer das vorstellt, legt er anschließend dar: Der Platz müsse aufgeräumt werden, freien Blick auf die Basilika ermöglichen, die wirke, als habe man ihr "die Füße abgeschnitten". Seit dem Umbau in den 70er Jahren gebe es "keine Einheit, keine Qualität, jeder Raum steht irgendwie für sich". Stattdessen plane er "eine große, fließende Platzfläche, die ganz unterschiedlich genutzt werden kann." Das Ganze im Kernbereich vor der Kirche gepflastert und an den Randflächen mit Platten belegt, aus regionalem Basalt.
Er weist erneut darauf hin, dass alles noch verfeinert werde, dass man noch Ideenbausteine sammeln wolle - auch bei den Bürgern. Und er zeigt, dass er die Diskussion um die Zahl der Parkplätze genau verfolgt hat.Bushof weg, Parkflächen hin


Die Überraschung: Böhmer präsentiert Entwürfe, in denen sich die Stellflächen auf knapp mehr als die aktuell 45 summieren. Allerdings nur, wenn die Bushaltestelle vor dem Gymnasium in den Gerberweg verlegt wird - wie es die Vorgabe im Wettbewerb war. Mindestens 35 dürften es auf jeden Fall werden - allerdings, sagt Böhmer, wenn man immer noch mehr Stellflächen hineinquetschen wolle, habe es keinen Sinn, den Platz überhaupt umzugestalten. Am Ende: starker Applaus.
Dann die Fragerunde: Karl-Heinz Thommes will als Behindertenbeauftragter des Kreises wissen, wie es um die Barrierefreiheit bestellt sei - auch angesichts der Stufen, die das Gefälle auffangen sollen. Böhmer hat dafür eine elegante Lösung: rund um den Platz verlaufe ein stufenloser Ring, über den jede Ebene zu erreichen sei - auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen.
Alfons Hoffmann fragt, ob Pflaster oder Platten bei Nässe nicht gefährlich glatt würden. Böhmer dazu: Das sei nicht zu befürchten - dank vorgeschriebener "Rutschsicherheitswerte".
Rollstuhlfahrerin Annemie Nickels freut sich "jetzt schon darauf, irgendwann auf dem Platz sitzen zu können". Sie will aber wissen, ob es dort auch öffentliche Toiletten geben werde. Mathilde Weinandy bekennt, dass man das noch klären müsse.
Udo Keller fragt, ob die Verlegung des Busbahnhofs bereits beschlossen sei. Dazu die Bürgermeisterin: Das sei angestrebt, werde aber noch einmal diskutiert, unter anderem mit dem Landesbetrieb Mobilität, Verkehrsbetrieben und Busunternehmern. Aber: "Von der Schulseite wird es gefordert und befürwortet, der Kreis hat keine Bedenken, dass die Zuwegung über den Schulhof ein Problem wäre."
Fällt der Bushof weg, entstehen entlang der Straße zahlreiche Stellflächen. Anlieger und Gastwirt Mario Mereien lobt Böhmers Plan und fragt, ob es nicht doch möglich sei, am Rand des Platzes gegenüber seinem Lokal zusätzliche Parkbuchten einzuplanen. Denn: "Jeder Meter, der vom Geschäft entfernt wird, der ist tödlich." Böhmers Antwort: "Der Platz ist Freiraum für alle" - er dürfe nicht "mit einem Baumarkt oder Rewe konkurrieren". Auch das scheint einen Nerv zu treffen - viele applaudieren.
Etliche weitere Details werden besprochen, bis Michael Ehleringer quasi ein Schlusswort spricht: Hauptsache sei die Attraktivität des Platzes - und er sei von Böhmers Plan überzeugt: "Sie haben zu Recht den Preis bekommen - obwohl ich die anderen (Wettbewerbsbeiträge, Anm. d. Red.) gar nicht kannte."
Der Verlauf des Abends freut auch die Stadtratsvertreter - wie Herbert Berens-Knauf (CDU): Alles sei erfreulich ruhig verlaufen angesichts der "im Vorfeld aufgestauten Emotionen. Alle haben gemerkt, dass der Planer flexibel ist". Erich Reichertz (Liste Kleis) bringt es auf den Punkt: "Mit dem kommen wir gut parat."
"Ich bin froh, dass ich hergekommen bin", sagt Heinz Brandenburg, als Altenmarkt-Anwohner erfahren mit der Neugestaltung eines Platzes. "Es war aufschlussreich und eine gut und ruhig geführte Diskussion. Ich empfand es als geglückt."Meinung

Architekt Maik Böhmer. TV-Foto: Fritz-Peter Linden.

Doppelter Gewinner
Maik Böhmer, der Sieger des Wettbewerbs um die Neugestaltung des Hahnplatzes, hat gleich zwei Mal gewonnen: Denn am Mittwoch nahm er die große Mehrheit des Publikums klar für sich ein. Mit einem durchdachten und, so weit man das abschätzen kann, schönen Entwurf - und durch seine geduldige und offene Art. Wobei er zusätzlich zeigte, dass er wirklich bereit ist, auf die Wünsche der Prümer einzugehen. Das hat mancher erhitzten Diskussion die nötige Kühlung verschafft. Gratulation! fp.linden@volksfreund.de