Hartnäckigkeit gewinnt

17 Jahre lang hat eine Wolsfelder Bürgerinitiative für die Umgehungsstraße gekämpft, die am kommenden Wochenende eröffnet wird. Auf der Höhe ihres Triumphes angelangt, wird sie sich auflösen. Ein Blick zurück auf bewegte Jahre.

Wolsfeld. Auf dem Tisch einer Wolsfelder Gaststätte liegen alte Zeitungsausschnitte: "Blech-Lawine bringt Bürger auf die Palme" und "Schöne Grüße von Sankt Nimmerlein" steht in großen Lettern auf vergilbtem Papier. Darüber gebeugt sitzt Adolf Viktor. "Wir haben einen langen, steinigen Weg hinter uns", sagt er - und strahlt plötzlich. "Aber wir haben es geschafft!"

Viktor ist, wie etwa 60 andere Wolsfelder auch, Mitglied in einem Verein, der kurz vor seiner glücklichen Auflösung steht. Er hat sein Ziel erreicht. 17 Jahre lang haben die Mitglieder hartnäckig an ihrer Forderung "Umgehung jetzt!" festgehalten, und nun ist das Ersehnte endlich da. Am Samstag, 13. Oktober, wird die Umgehungsstraße eröffnet - eine Straße, deren Existenz aus Wolsfeld wieder ein ganz normales Dorf machen soll. Verschont von Lärm, Gestank und Gefahr.

10 000 Autos fahren derzeit noch täglich mitten durch den Ort. Zum Überqueren der Straße habe man da gerade mal 2,8 Sekunden Zeit, sagt Alexander Viktor. Weit mehr als hundert Unfälle habe es seit 1975 gegeben. 13 davon tödlich. Viele derer, die um den Gaststättentisch sitzen, kannten die Opfer persönlich.

All dies waren Gründe, sich zu engagieren. 1991 wurde der Verein gegründet. Seine Mitglieder stellten Schilder auf, sammelten mehr als dreitausend Unterschriften, reisten von Politiker zu Politiker zu Politiker, erlitten immer wieder Rückschläge, hofften und warteten… Am 15. Juli 1992 feierte der Verein einen Etappensieg: Die Ortsumgehung wurde im Bundesverkehrswegeplan in die Kategorie "vordringlicher Bedarf" hochgestuft. Die Freude darüber währte jedoch nicht lange, denn 80 Einwendungen ließen eine Verwirklichung erneut in weite Ferne rücken… Immer wieder Schwierigkeiten.

Den alten Zeitungsartikeln zufolge war auch das Verhältnis zum Gemeinderat anfangs gespannt. Aus Sicht des Vereins tat der Gemeinderat zu wenig, aus Sicht des Gemeinderats der Verein zu viel. Doch darüber wollen die Vereinsmitglieder rund 17 Jahre später gar nicht reden. Erstens zogen ja schließlich doch alle an einem Strang und zweitens ist es nun vollbracht. "Wir wollen anderen mit auf den Weg geben: ,Wenn man nur lange genug dran bleibt und keine Ruhe gibt, dann kommt man auch ans Ziel'", sagt der Vorsitzende Ralf Schiemann.

In seiner nächsten Sitzung wird der Verein bestimmen, welchem gemeinnützigen Zweck er sein Geld zukommen lassen wird, ehe er sich endgültig auflöst. Und dann? "Nach 17 Jahren die Beine stillhalten ist schwierig", sagt einer der Versammelten. Nun stelle sich die Frage, wie man die beruhigte Ortsmitte gestaltet. Und auch, dass die Anbindung an die neue Umgehung nicht kreuzungsfrei sei, gefalle ihm gar nicht… Wie es scheint, ist eine Auflösung noch lange kein Grund, mit Aufhören anzufangen.

Die neue Umgehungsstraße wird bei der Auffahrt Wolsfeld/Alsdorf am Samstag, 13. Dezember um 14.30 Uhr offiziell freigegeben. Anschließend gibt es im Feuerwehrgerätehaus eine Eröffnungsfeier.

Meinung

Nur Mut, Bürger!

Es hat 17 lange Jahre gedauert, bis es soweit war, doch nun haben die Wolsfelder ihre Ortsumgehung. Dieses Beispiel kann vielen anderen, die sich etwas sehnlich wünschen, Mut machen: Man muss nur lange genug durchhalten, weiterhin an ein Gelingen glauben und sich dafür einsetzen. Dann kann es aller Hindernisse zum Trotz doch noch glücken. So wie in Wolsfeld, wo die Mitglieder der Bürgerinitiative "Umgehung jetzt" aber auch Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder, Abgeordnete, Kommunalpolitiker, Planer, Straßenbauarbeiter und viele andere Grund haben, stolz zu sein. Darauf, dass Wolsfeld dank ihres Engagements nun einer ruhigeren Zukunft entgegensehen kann. Das darf wohl gefeiert werden! k.hammermann@volksfreund.de