1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Haus der Jugend richtet IT-Beratung für Senioren ein

Ehrenamt : Angst nehmen, Technik verstehen

Die Flickstuff des Prümer Hauses der Jugend bekommt ein Pendant: Während beim Original Senioren jüngeren Gästen beim Reparieren von Elektrogeräten helfen, unterstützen dann Jugendliche ältere Semester in Sachen Computertechnik.

Es gab Zeiten, da hatten Handys noch echte Tasten, Computer ein großes Gehäuse und ein Netz wurde zum Fischen gebraucht. Wenige Dinge haben die Welt seit dem Jahrtausendwechsel so verändert wie die digitale Revolution. Doch während junge Leute ganz selbstverständlich mit der Technik aufwachsen, fühlen sich viele ältere Semester schon mal überfordert angesichts von Apps, WLAN, Messenger und Update-Aufforderungen. Das Haus der Jugend schafft nun ein neues Beratungsangebot, bei dem Jugendliche einmal im Monat Senioren im Umgang mit den neuen Medien helfen.

Zwölf Schülerinnen und ein Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Prüm wurden über zwei Tage im Haus der Jugend (HdJ) zu Senioren-Medien-Scouts – neudeutsch für Senioren-Medien-Begleiter – ausgebildet. „Über so ein Projekt haben wir schon länger nachgedacht, aber es ist war schwer, ein Pauschalangebot zu entwickeln“, sagt HdJ-Leiter Jochen Pauls. Zu unterschiedlich seien die Vorkenntnisse der Nutzer. „Manche gehen selbstverständlich mit einer Maus um und haben sehr spezielle Fragen zu Programmen oder Funktionen, andere haben schon Probleme damit, den Mauszeiger überhaupt zu finden“, sagt er. So sei es erst einmal nicht sinnvoll gewesen, alle älteren Nutzer zu einer Art Kurs einzuladen.

Die Lösung wurde schließlich in einer Kooperation mit drei Partnern gefunden: der BBS Prüm, dem Dekanat St.Willibrord Westeifel und dem Institut für Medien & Pädagogik in Mainz.

Die Idee hinter den Medienscouts ähnelt nun der der Flickstuff, also des Repair-Cafés im HDJ. Statt Fachleuten für die Reparatur von Elektrogeräten, warten dann aber Fachjugendliche auf Besucher, die Beratung im Umgang mit Computern, Sozialen Netzwerken oder den neuen Medien allgemein suchen.

„Ältere Menschen haben heute einfach nicht mehr den engen Kontakt zu jungen Leuten, die sie fragen könnten“, sagt Pastoralreferentin Petra Schweisthal. Dabei könne doch gerade die neue Technik manchen dabei helfen, den Kontakt zu fortgezogenen Kindern oder Enkeln zu halten. Der Bedarf sie also da, allein der Weg zur Nutzung scheitere oft. Sie sei froh und dankbar über die Zusammenarbeit, helfe man den Senioren doch nicht nur weiter, sondern bringe auch gleich die Generationen zusammen.

Angesprochen von ihrem Lehrer, ob nicht Interesse an dem Projekt bestehe, hat sich Rebecca Juchems gleich für die Idee begeistert. „Ich sehe ja selber in meiner Familie, wie häufig zum Beispiel mein Opa Probleme hat und Hilfe sucht und selbst mein Vater, den ich nicht gerade zu den Senioren zähle, hat immer mal wieder eine Frage“, sagt sie.

Bevor die angehenden Berater überhaupt anfingen ihr Konzept im Detail zu entwickeln, setzten sie sich also hin und suchten nach möglichen Fragen und Problemen. „Wir versuchten so viele wie möglich zu finden, um uns selber schon mal auf die passenden Lösungen vorzubereiten“, sagt Rebecca Juchems.

„Eins ist aber auch klar, wir haben nicht auf alles sofort eine Antwort, deswegen haben wir uns ja hier auch zwei Tage zusammengesetzt“, sagt Laura Thielen. Zum Beispiel habe man in der Runde geklärt, was eigentlich die genaue Definition von Hardware und Software sei. „Nicht alle von uns konnten das auf Anhieb beantworten“, sagt sie (siehe Info). Einer der großen Unterschiede zu manchem unerfahreneren Nutzer sei, dass man anders an Problemlösungen herangehe, sagt Lukas Ebbertz. „Wenn wir Jüngeren Probleme mit Programmen haben, wenden wir uns als erstes ans Internet, stellen dort eine Suchanfrage, und manchmal findet man sofort die Lösung.“

Das Medienscout-Café soll ab dem Herbst einmal im Monat kostenlos angeboten werden. „Noch haben wir keinen festen Termin ausgemacht, wir sprechen uns aber bald untereinander ab“, sagt Pauls.